Ein verhinderter Monsterband: Invisibles 3

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    • gina_michi schrieb:

      Ansonsten ist es bei Storyarcs oftmals die gleiche Leier, ob Morrison, Bendis, Brubaker oder sonstwer. Der Spannungsbogen wird stets bis zum gehtnichtmehr angezogen und verpufft zum Schluss stets in Nichtigkeiten.

      Ist schon oft so, klar, aber so vielleicht doch etwas zu verallgemeinernd formuliert, es gibt auch gute Gegenbeispiele. Gerade der Abschluss von Morrisons X-Men-Run ist mMn das genaue Gegenteil von "am Ende in Nichtigkeiten verpuffen". Weil vorne im Thread schon nach dem Ende dieses Runs gefragt wurde, ob Morrison ihn verbockt hat: Zunächst gab´s ja den Vierteiler „Planet X“, in dem der Run sehr gelungen und hochdramatisch seinen Höhepunkt erreichte, für mich ein großartiger Kulminationspunkt des kompletten Runs. Rockte. (Dass das ganze spätere Hin und Her, die nachträglichen Twists um Magneto/Xorn nicht Morrisons Schuld waren, sondern Marvels Dummheiten, wurde ja hier bereits erwähnt.) Dann folgte noch der Vierteiler „Here Comes Tomorrow“, der in der Zukunft spielt, und in dem Morrison (vereinfacht ausgedrückt) Sublime als den eigentlichen Übergegner des ganzen Runs präsentiert hat. Das fand ich damals zunächst etwas zu plötzlich kurz vor Toresschluss noch aus dem Hut gezaubert. Aber wenn man den Run unter diesem Aspekt ein 2. Mal las, ergab vieles erst Sinn, erschien vieles plötzlich in einem neuen Licht, die Story wurde dadurch clever erweitert, vertieft und abgerundet. Morrison hatte das alles klug durchgeplant und auch durchgezogen, für mich bis heute eine der intelligentesten Storys bei Marvel. Meine ursprüngliche eher zwiespältige bis negative Meinung über das Ende habe ich nach dem 2. Lesen des Runs revidiert, aus heutiger Sicht würde ich sagen: Auch der Abschluss ist absolut gelungen.

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    • L.N. Muhr schrieb:

      um solche comics ging es doch aber auch gar nicht. es ging um sachen wie jla oder x-men ... ja sicher gibt es auch creator-owned-stuff (willkommen in der gegenwart) in den staaten. die haben aber interessanterweise sehr viel seltener die von dir beschriebenen probleme. schau dir doch mal an, wo brubaker richtig gut ist und wo eher nicht. oder bendis. wie das wohl kommt?


      Um diesen Punkt mal aufzugreifen...

      Wenn ich als Comicautor für beispielsweise Marvel arbeite, dann muss mir doch vorher klar sein, dass ich größtenteils gewissen Einschränkungen unterliege. Ist es da nicht eher das Ziel, dass man einer Serie wie z. B. "Fantastic Four" noch ein eigenes, möglichst unterhaltsames und in Erinnerung bleibendes Kapitel hinzufügt? Also: Über die Lee/Kirby- bzw. die Byrneära wird ja heute noch gesprochen. Wenn Grant Morrison nun die Vier schreibt, dann dürfte es wohl eher sein Ziel sein, dass sein Run möglichst in einem Atemzug mit diesen beiden Runs genannt wird, als bis in letzter Konsequenz sein "eigenes Ding" durchzuziehen?! Mit seiner Version der X-Men ist ihm das ja durchaus gelungen. Und bei Batman merkt man auch, dass er sich mit der Historie der Figur beschäftigt hat, es dürfte also nicht so sein, dass ihm all dies vollkommen egal ist. Und für radikalere Ideen kann er ja immer noch eine Elseworlds/What-if-Story vorschlagen, die dann u. U. bei MAX/Vertigo (je nach Härtegrad ;)) erscheinen kann.

      Ich glaube nicht, dass sich die Qualität einer Comicgeschichte daran messen lässt, dass der Autor sich an gewisse Vorgaben halten muss. Bei Bendis scheint es zwar manchmal so zu sein, dass es ihn nicht interessiert was davor war, aber alles in allem sollte sich ein Autor über diese Sache vorher bewusst sein. Und wenn es ihm nicht passt, muss er was komplett eigenes machen.

      Kann natürlich sein, dass der eine oder andere Leser das nicht so toll findet, weil sich Morrison, Brubaker oder wer auch immer nicht so sehr austoben kann, wie an einem eigenen Werk, aber das dürfte eher daran liegen, dass diesem Leser die Grenzen von Marvel/DC nicht (mehr) gefallen. Das wiederum wird sich nur ändern, wenn nichts mehr gekaut wird. ;)

      Aber nur weil sich der Autor an gewisse Einschränkungen halten muss, wird die Geschichte nicht zwangsläufig schlecht. Ob sie dann wiederum mit einem eigenen Werk mithalten kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber grundsätzlich kann er auch bei seiner eigenen Serie einen schlechten Tag gehabt haben. Und da nützt die komplette kreative Freiheit auch nichts mehr. ;)
    • Kain schrieb:


      Ich glaube nicht, dass sich die Qualität einer Comicgeschichte daran messen lässt, dass der Autor sich an gewisse Vorgaben halten muss.


      schau dir das klonsaga-debakel an, wo kein autor machen konnte, was er wollte.

      oder die vielen vielen skripte, die von redakteuren eigenmächtig massiv umgeschrieben wurden.

      freiheit bemisst sich nicht daran, wie hart oder extrem man sein darf, sondern eben daran, ob man tun darf, was man will. dein MAX-vergleich ist sinnlos.



      Mein Name ist Jochen. Ich mag es, zu kochen.
    • L.N. Muhr schrieb:

      freiheit bemisst sich nicht daran, wie hart oder extrem man sein darf, sondern eben daran, ob man tun darf, was man will. dein MAX-vergleich ist sinnlos.


      Ich dachte eher in die Richtung, dass sich der Verlag (bzw. die Verantwortlichen) u. U. wohler fühlt, wenn eine Idee, die diesen Leuten zu radikal erscheint, in ein Sublabel verlagert werden kann. Damit es etwas "weiter weg" vom Standard ist.

      oder die vielen vielen skripte, die von redakteuren eigenmächtig massiv umgeschrieben wurden.


      Liegt das nicht eher daran, dass irgendein Redakteur seine Macht ausspielen will? Und das wiederum daran, dass Autor und Redakteur nicht miteinander können? Im Idealfall sollte der Redakteur doch erfahren, wo der Autor hin möchte. Wenn Skripte umgeschrieben werden, fehlt doch irgendwo der Dialog zwischen den Parteien.
    • "sollte"? du hast offenbar immer noch sehr romantsiche vorstellungen vom business.

      mit fairness hat das nix zu tun. es sind einfach die regeln des spiels, wenn man sich auf corporate-owned material einlässt. dahinter steckt kein ego, so wenig wie der torwart im tor steht, weil er das größte ego hat. sondern er gehört da einfach hin und tut, was die spielregeln ihm sagen.



      Mein Name ist Jochen. Ich mag es, zu kochen.
    • Zu Jenkins:
      Inhumans: 12 teilige Maxi bei Marvel Knights mit Jae Lee
      Ende der Diskussion!!!

      Solch absolute Aussagen finde ich immer Blödsinn.

      Ps: Hat nicht gerade bei der JLA Hr. McDuffie so geklagt, dass ihm wirklich alles umgemodelt wurde, er nicht seine Figuren benutzen durfte und er sogar fertig gezeichneten Seiten neue Texte verpassen mussten, weil sie mit den Events nicht mehr zusammenpassten?
      Das ist das wahre Leben.
    • Kain schrieb:

      :wacko:

      Heute ist nicht mein Tag... :(


      Und heute? 8)


      Die obige Diskussion ist recht interessant. Schreiber und Autoren sind tatsächlich gerade in solch großen Verlagen wie Marvel und DC ereblich in Ihrer schriftstellerischen Freiheit eingeschränkt. Ich kann die Verlage aber auch duchaus verstehen, denn Mavel kann nicht Spinne sterben lassen, weil sich ein Autor einmal ein persönliches Denkmal setzen möchte.

      Wie gut , dass es da solche Labels wie Vertigo gibt, deren Produktionen mit ihren neuen und frischen Ideen mich immer wieder aufs angenehmste überraschen. Und bei Serien wie Y the last Man oder Invisibles ist mir schon von vornherein bekannt, dass es eine Miniserie ist und nach einigen Bänden abgeschlossen sein wird. So nutzen sich die Ideen nicht ab und sie sind nicht in großen und steifen Megaevents eingebettet, die vom Autor ebenfalls zu beachten sind.

      Alles in allem ist Vertigo ein tolles Label, dass mich hoffentlich noch lange bindet, denn die Marvelhelden hängen mir momentan etwas zum Halse heraus. Entweder sind die die meisten Serien schwächer geworden, oder ich bin anspruchsvoller geworden, keine Ahnung... :wacko: Es gibt bei Vertigo noch viel zu entdecken, zB. habe ich mir jetzt noch zur "Probe" DMZ 1 gekauft.
      "Gott ist mit Dir mein Sohn. Auch wenn Du ein Arschloch bist!"
      (Lemmy K.)
    • Stimme dem Vorredner absolut zu, dass uns Vertigo wirklich schon großartige Stoffe (Sandman, Hellblazer, 100 Bullets, usw....) geliefert hat und dies hoffentlich auch noch lange so bleibt. Und ich sehe es bei den Superhelden genauso, dass die Luft mehr als raus ist und schon jede Story inzwischen nach Jahrzehnten erzählt wurde. Darüber täuschen auch die sehr künstlich gehypten und auch nicht mehr originellen bzw. gar-nicht mehr endenden Mega-Crossover drüber hinweg...."Der Prolog zum Countdown der vorletzten Krise, die zur dritten Zerstörung des Universums und Tötung von mindestens 2 Helden inklusive totsicherer Wiederbelebung derselbigen führen wird".

      Das soll aber nicht heißen, dass man die Charaktere nicht liebt! Ganz im Gegenteil...denn da freue ich mich sehr auf die Filme wie z.B. Green Lantern und Thor
    • Claus Bürvenich schrieb:

      Stimme dem Vorredner absolut zu, dass uns Vertigo wirklich schon großartige Stoffe (Sandman, Hellblazer, 100 Bullets, usw....) geliefert hat und dies hoffentlich auch noch lange so bleibt. Und ich sehe es bei den Superhelden genauso, dass die Luft mehr als raus ist und schon jede Story inzwischen nach Jahrzehnten erzählt wurde. Darüber täuschen auch die sehr künstlich gehypten und auch nicht mehr originellen bzw. gar-nicht mehr endenden Mega-Crossover drüber hinweg...."Der Prolog zum Countdown der vorletzten Krise, die zur dritten Zerstörung des Universums und Tötung von mindestens 2 Helden inklusive totsicherer Wiederbelebung derselbigen führen wird".

      Das soll aber nicht heißen, dass man die Charaktere nicht liebt! Ganz im Gegenteil...denn da freue ich mich sehr auf die Filme wie z.B. Green Lantern und Thor


      Als alternder Leser verdreht man immer wieder die Augen, wenn wieder einmal ein Held oder Schurke in die ewigen Jagdgründe geschickt wird und kurz darauf putzmunter (gar ohne weitere Erklärung) in den Panels wieder herumtanzt. Naja, aber meine Leibe zu den Helden? Ja, die wird wohl immer bestehen bleiben, schreibe Marvel diesen auch noch so´n Mist auf den Leib!

      Das ist beinahe dasselbe wie der Fußballverein, die können noch noch schlecht spielen.....
      "Gott ist mit Dir mein Sohn. Auch wenn Du ein Arschloch bist!"
      (Lemmy K.)
    • ich denke nicht, dass das superhelden-genre ausgreizt ist. es gibt ja grundsätzlich nur sieben bis zehn (je nach sichtweise) grundplots für ALLE erzählungen. die werden immer wieder variiert und kombiniert. insofern ist bei jeder geschichte das WIE entscheidend, nicht das WAS.

      und ich denke, hier habt ihr euch als "altleser" einfach rein biographisch von den comics entfernt. das WIE der superhelden-comics entspricht oft nicht dem, wie ihr euch das vorstellt (wie ich diversen threads zu comicreprints zu entnehmen meine). daraus lässt sich ziemlich schnell folgern, dass ihr euch einfach von den comics weiterentwickelt bzw. die superhelden-comics und ihr euch auseinanderentwickelt habt. das ist ganz normal in einer leserbiografie.

      ich nehme hier also mal die superhelden in schutz (was ich selten tue): nicht die comics sind schlechter geworden, sondern sowohl ihr als leser wie eben auch diese comics ANDERS. das ist der lauf der dinge, und wer das verurteilt (weil früher alles angeblich besser war), ist eigentlich nur ein alter sack. ;)

      ich würde übrigens auch STARK empfehlen, vertigo nicht für das non-plus-ultra irgendwie anderer comics zu halten. es ist ein anfang, aber mehr auch nicht. dahinter lauert noch viel mehr und manchmal auch viel tolleres zeug.



      Mein Name ist Jochen. Ich mag es, zu kochen.