"Supergod" von Warren Ellis

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    • "Supergod" von Warren Ellis





      Der Mensch schuf die Götter nach seinem Bilde.

      Was wäre, wenn das Rüstungswettrennen der Supermächte nicht Atombombenarsenale, sondern messianische Überwesen hervorgebracht hätte, die bizarre Wunder vollbringen und - wenn nötig - den Zorn der Götter entfesseln können? Doch war all den Wissenschaftlern und Politikern auch bewusst, was diese Überwesen tun würden, um die Welt zu retten?

      Eine Parallelwelt-Erzählung aus der Feder von Comic-Star Warren Ellis (TRANSMETROPOLITAN, PLANETARY).


      Okay, die kurze Info von Panini klingt nicht wirklich spektakulär, aber mit Worten kann man auch schlecht beschreiben was genau an "Supergod" so faszinierend ist. Ich versuch es trotzdem mal, werde mich dabei aber extrem kurz halten:
      Warren Ellis werden ja die Meisten kennen und mit Sicherheit den ein oder anderen Band von ihm im Regal stehen haben. Wenn nicht, ist dies die perfekte Gelegenheit beides nachzuholen.
      Geschildert wird die Geschichte aus Sicht einer der letzten lebenden Menschen auf diesem Planeten, der ununterbrochen in sein kleines Funkgerät redet und den Zuhörern am anderen Ende (falls überhaupt "noch" existent) und somit auch uns die Geschichte vom Ende der Welt erzählt. Wie konnte es soweit kommen? Was genau ist passiert? Wie hat sich die Menscheit selbst vernichtet?

      Mehr will ich zur Story eigentlich nicht erläutern, denn "Supergod" sollte einfach selbst gelesen und erlebt werden.
      Wer sich schon mal gefragt hat, wie die Welt aussehen würde, wenn jedes Land seinen eigenen Doctor Manhattan hätte, bei dem schon längst vollzogen ist, was sich bei "Watchmen" nur langsam andeutete - nämlich die totale Entmenschlichung - kann mit diesem Band nichts falsch machen.
      Warren Ellis liefert hier mal wieder ein absolutes Meisterwerk ab. - Großartige Dialoge (bzw. Monologe), großartige Zeichnungen, großartige Geschichte, großartiges Ende.
      Auch die Aufmachung von Panini ist fantastisch und braucht sich vor Alan Moores "Neonomicon" (ebenfalls von Avator Comics) nicht zu verstecken. Besser gehts einfach nicht.

      10 von 10 Punkten.

      Wer jetzt noch nicht überzeugt ist - Hier gibts eine Leseprobe: mycomics.de/verlagscomics/superhelden/supergod.html
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)
    • Kid Savage the 3rd schrieb:

      Hab zwar glaub ich damals nicht alle Hefte der Serie gelesen, kann sie aber auch nur empfehlen, echt geil gemacht :thumbsup: Und die Zeichnungen sind :love:

      So siehts aus!
      Hab nur das Gefühl das "Supergod" hier etwas untergeht. Schade um den tollen Band. Für mich bisher eins der Highlights für 2012.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)
    • Stimpy schrieb:

      Hast du mal "The Lifeeaters" gelesen?
      Ähnliche Thematik aber tausend mal interessanter und besser umgesetzt als Supergod. Ich hab Supergod schon im Orginal gelesen und bin da nicht wirklich begeistert von. IMO eine von Ellis schwächeren Arbeiten.

      Von "The Life Eater", hab ich noch nie gehört, aber das Cover sieht schon richtig trashig aus.
      Adolf Hitler erweckt Obelix zum Leben, da dieser als kleines Kind in den Zaubertrank gefallen ist, um mit dessen Hilfe nun ganz Amerika auszurotten. Liege ich da in etwa richtig?
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)
    • Supergod hat mir sehr gut gefallen. Ich mag den Sarkasmus von Warren Ellis. Zwar neigt er wie Grant Morrison dazu, mit seinen pseudowissenschaftlichen und esoterischen Ausflügen zu weit abzudriften, aber hier macht es stellenweise Sinn und unterhält prima. Im Prinzip ist Supergod so eine Art Vertigo-Watchmen mit einem ähnlich zynischen Ende. 8 von 10 Punkten.
    • SUPERGOD würde ich auch als den besten Ellis Comic seit langer Zeit einordnen (zu den guten/besseren der letzten Jahre gehören für mich auch No Hero, Crécy, Black Summer, SVK). -- Wobei selbst seine schwächeren eigentlich immer noch mindestens eine tolle Idee haben, aus der andere Autoren 100teilige Blockbuster stricken würden.

      Meistens wirft Ellis mit seinen Ideen um sich und versäumt, sie auszugestalten. Ist halt sein Stil, und damit musss man sich wohl einfach abfinden.

      Aber SUPERGOD ist sehr dicht und nicht so hingeworfen. Die Erzählhaltung ist eine ähnliche wie in CRECY, d.h. weniger handlungsorientiert als eine hingeplauderte Retrospektive mit einer "Pointe", die nicht wirklich eine sein will. Schließlich sieht man schon auf Seite 1, dass alles den Bach runter gegangen ist.

      Unterm Strich: Auf einer Höhe mit Transmetropolitan 1-12, Planetary, Global Frequency.

      UND: Life Eaters?? -- Na ja. :schocker:
      "He had this disease, called, um, Wisenheimers, I think. You know, where your brain cells run out into your pee."
    • "life eaters" habe ich mal angefangen, fands aber irgendwie langweilig... und habs nie bis zum ende geschafft...

      "supergod" dagegen hat mich von der ersten seite an gepackt, was allein schon an den großartigen, detailverliebten zeichnungen lag! aber auch das szenario konnte mich überzeugen, genau wie der sarkasmus in dem monolog des erzählers... TOP!
    • Wow, fast durchgehend positive Kritiken. Da muss ich wohl mal dazwischen hauen...

      Die Grundidee und auch die Handlung dieses Bandes haben mir sehr gut gefallen: jedes Land, dass in der Rüstungs groß mitspielen will, baut sich seinen eigenen Dr. Manhatten. Diese fangen dann jedoch getrieben von der eigenen Entmenschlichung an systematisch die Erde zu zerstören... :thumbsup2:

      Was mir aber gar nicht gefallen hat war der Erzählstil:
      Wir erleben alles aus der Sicht eines britischen Wissenschaftlers, der mit nem Ami-Wissenschaftler telefoniert und das Super-Wettrüsten Revue passieren lässt. Das größte Problem für mich war, dass die Bilder (aus der Vergangenheit) oft nicht wirklich mit dem Monolog des Wissenschaftlers aus dem Off harmonierten. So ging den Bildern jegliche Dynamik ab. Auch konnte man so an keiner Stelle wirklich mitfiebern, da die melancholische Sprechweise des Wissenschaftlers keine großartigen Emotionen in Richtung Aufregung und Spannung zuließen.
      Insgesamt laß sich das Comic nicht wie ein Comic, sondern ein bebildertes Protokoll des Weltuntergangs. Die Bilder/Panels/Zeichnungen erzählen die Geschichte dabei nicht.

      Das nächste Problem hatte ich mit dem ständigen Springen zu kurzen Nebenhandlungen.
      Das kam mir so vor, als wolle der Autor eine möglichst komplexe Welt schaffen, aber wisse nicht, wie er die Infos passend in die Story einfügt. So das Australienbeispiel (mal aus dem Kopf zitiert): "...und dann fing Krishna an Indien zu Entvölkern. Ach, hast du was von Australien gehört? Die sind ja weit ab vom Schuss, vielleicht haben sie... Nein? Okay. Wo war ich? Achja, Krishna tötete wahllos..."
      Sowas reißt einen irgendwie voll raus, wenn man grad einen roten Faden in dem Protokoll gefunden hat. Noch dazu schafft es der Autor zuweilen sich während eines solchen Subplottes in einem weiteren Subplott zu verstricken...

      Die Zeichnung befinden sich aber auf einem guten Niveau. Nichts überragendes, aber dafür sehr solide.

      Fazit: Idee Top, Umsetzung Flop. 5,5/10 Punkte Wegen der tollen Grundidee und der drohend-erhobener-Finger-mentalität des Bandes doch knapp über dem Durchschnitt.

      Achja: besonders in Richtung Amerika und Russland hat man die Supersoldaten schon sehr Klischeehaft gestaltet:
      So glaubt der Ami-Soldat im Himmel zu leben und dass Amerika einen direkten Draht in den Himmel hat und ihn so dort nach belieben raus- und wieder reinbringen kann.
      Der (erste) Russensoldat sah im Gegensatz dazu so aus, als wäre er von nem alten Dieselmotor betrieben. :D

      lg Task

      Jones schrieb:

      Wenn ich mir mal einen Hund zulege, wird's ein Dobermann...und ich nenne ihn Taskmaster.


    • Taskmaster schrieb:

      Was mir aber gar nicht gefallen hat war der Erzählstil:
      Wir erleben alles aus der Sicht eines britischen Wissenschaftlers, der mit nem Ami-Wissenschaftler telefoniert und das Super-Wettrüsten Revue passieren lässt. Das größte Problem für mich war, dass die Bilder (aus der Vergangenheit) oft nicht wirklich mit dem Monolog des Wissenschaftlers aus dem Off harmonierten...Insgesamt laß sich das Comic nicht wie ein Comic, sondern ein bebildertes Protokoll des Weltuntergangs. Die Bilder/Panels/Zeichnungen erzählen die Geschichte dabei nicht.

      Klar, "Supergod" ist auf mehreren Ebenen ein recht experimentelles Comic, was sowohl den Erzählstil als auch die Erzählweise betrifft. Damit kann sicherlich nicht jeder etwas anfangen.
      Deine Behauptung kann ich aber nicht ganz nachvollziehen. Der Gesprächsinhalt und die Bilder decken sich doch eigentlich eins zu eins. Es wird immer genau das dargestellt was gerade dialogisiert wird, ohne das "Supergod" dadurch zum reinen Bilderbuch verkommt. Undynamisch fand ich da eigentlich nichts. Mir hat dieser Ansatz sogar extrem gut gefallen.

      Taskmaster schrieb:

      Das nächste Problem hatte ich mit dem ständigen Springen zu kurzen Nebenhandlungen.
      Das kam mir so vor, als wolle der Autor eine möglichst komplexe Welt schaffen, aber wisse nicht, wie er die Infos passend in die Story einfügt. So das Australienbeispiel (mal aus dem Kopf zitiert): "...und dann fing Krishna an Indien zu Entvölkern. Ach, hast du was von Australien gehört? Die sind ja weit ab vom Schuss, vielleicht haben sie... Nein? Okay. Wo war ich? Achja, Krishna tötete wahllos..."
      Sowas reißt einen irgendwie voll raus, wenn man grad einen roten Faden in dem Protokoll gefunden hat. Noch dazu schafft es der Autor zuweilen sich während eines solchen Subplottes in einem weiteren Subplott zu verstricken...

      "Supergod" fährt doch eigentlich eine relativ klare Linie. Großartige Subplots konnte ich jedenfalls nicht ausmachen. Natürlich wird vieles nur angerissen, aber auch dieser Erzählstil kann ganz reizvoll sein.
      Man darf auch nicht vergessen in welchem Rahmen das Gespräch (?), der Monolog (?) stattfindet. Der Wissenschaftler sitzt nicht gemütlich in seinem Büro und erzählt von seinem schönsten Erlebnis auf dem Ponyhof.
      Er sitzt mitten in der Hölle und muss um seinen Leben kämpfen während neben, über und unter ihm die Welt untergeht. Er legt das ganze ja auch bewußt als "seine letzten Worte" aus und unter diesen Umständen dürften die Wenigsten einen klaren Kopf behalten. Gerade dadurch wurden die von dir vermissten Emotionen doch schön dargestellt.
      Zerfahren? - Vielleicht. Am Rande des Wahnsinns? - Wahrscheinlich. Aber gerade das hat das Ganze doch erst lebendig und realistisch gemacht. Meiner Meinung nach ganz großes Kino.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)
    • Seltsamer Comic, die Grundidee das alle großen Regierungen wettrüsten indem sie alle übermächtige Superhelden ranzüchten hat schon etwas sehr geniales. Vor allem wenn die unterschiedlichsten Superhelden dann außer Kontrolle geraten weil sie Ihre Interpretation der Rettung der Menschheit so Effektvoll einsetzen das sogar ein Roland Emmerich inspiriert und sabbernd vor dem Comic sitzen dürfte.

      Ein britischer Wissenschaftler gibt kühl gelassen (und bekifft) eine ausschweifende und dennoch irgendwie gestaucht wirkende Zusammenfassung zum besten. Das meiste davon wird also monologlastig im of Erzählt . Das lässt den Erzählstil erstaunlich unterkühlt und emotionslos wirken.

      Gute Storyline. Aber mit einer anderen Perspektive hätte American Gods nochmal ein wenig besser wenn nicht sogar episch werden können.

      Lesen ist eine inteligente Methode sich das Denken zu ersparren. - Walter Moers
    • Habe Supergod gerade erst gelesen und mir ging es auch so, dass die Grundidee (in Anlehnung an die Watchmen) echt genial war. Die Umsetzung war dann für mich irgendwie von allem etwas zu wenig. Das mag sowohl an der Erzählweise der Retrospektive als auch an dem Umfang liegen. Da hätte man nicht nur mehr draus machen können sondern müssen.


      Die Katze grinste.
      "Hierzulande ist jeder verrückt. Ich bin verrückt. Auch du bist verrückt."
      "Woher weißt du, dass ich verrückt bin?"
      "Sonst wärst du nicht hier", antwortete die Katze.


      Mein DC Dark Re-Read
    • Wie immer bei Ellis: Tolle Ideen, seine Kritik an der Religionshörigkeit stößt bei mir auch auf offene Ohren: der interessant geformte Ast, den plötzlich alle anbeten... :D
      Aber diesmal wollte er nicht so richtig zünden.
      Es gab keine wirkliche Geschichte. Niemanden, der einen interessiert hätte.
      Das Ende war auch keine Überraschung mehr. Es war alles vorhersehbar. Und es war noch nicht einmal besonders interessant, wie es dazu gekommen ist.
      Definitiv eine von Ellis schwächeren Arbeiten. Man solltel Supergod auf jeden Fall mal gelesen haben, aber einmal reicht.

      Die Splashcomics-Rezi bringt es auf den Punkt. Alles ziemlich gut, tolle Grundidee, aber irgendwie hätte es mehr werden müssen.
      Es liest mehr wie ein erster Entwurf, denn ein fertiges Produkt.