Holy Terror

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    • Habe lange mit mir gerungen, ob ich mir dieses Comic kaufen soll. Habe es dann letzendlich gekauft, sogar das limitierte, da ich großer Frank Miller Fan bin und so endlich ein Autogramm dazu bekam. Doch das Comic bewegt sich nun wirklich ganz, ganz hart an der Grenze , eine rassistische Hetzschrift zu sein. Ich habe das Gefühl, das es Miller egal war, wie sein Comic rüber kommt. Er wollte seine Wut über den Terrorismus völlig ungefiltert herauslassen, ohne auf Kritiker und Fans Rücksicht zu nehmen. Dabei rückt er leider nur alle Moslems in die Ecke des Terrors. Schade, denn man hätte mit dieser Thematik weitaus mehr machen können, siehe Art Spiegelmanns "Im Schatten keiner Türme". So hätte Miller den Comics wieder zu mehr Ansehen verhelfen können, sowie es mit Spiegelmanns Comic passiert ist. Doch diese Chance hat er mit seinem rassistischem Comic leider verpasst. Ich beobachte die Entwicklung von Miller in den letzten Jahren mit Bauchschmerzen. Denn er vertritt in den letzten Jahren immer mehr Positionen, von rechten Extrermisten.
    • Ich habe den Band hier noch rumliegen, wollte den eigentlich noch nicht lesen, aber nach deiner kurzen Rezi, werd ich den wohl als nächstes in Angriff nehmen.

      Was genau meinst du mit "Ich beobachte die Entwicklung von Miller in den letzten Jahren mit Bauchschmerzen. Denn er vertritt in den letzten Jahren immer mehr Positionen, von rechten Extrermisten."? Woran, ausser bei diesem Band, merkt man das denn noch in den letzten Jahren?
      What Evil Lurks In The Hearts Of Men



      I am reading your mind, pal. And believe me, it`s a pretty fast read...
    • Interviews ect. aber für mich sind das nicht Positionen eines rechten Extremisten. Der gibt eher Zeug von sich das man von nicht ganz so intelligenten oder gut informierten Amihillbillies erwartet. Nagel mich jetzt nicht auf bestimmt Aussagen fest aber man könnte schon denken das in seinen Augen die meisten oder sagen wir zu viele Moslems Terroristen sind. Dummes Zeug das viele Menschen von sich geben und da es nunmal Frank Miller ist sieht man das halt gleich kritischer als wenn Futzi McGee auf seiner Ranch steht und patriotische Reden schwingt.

      Nur weil jemand patriotisch ist und dumme Vorurteile hat ist er kein rechter Extremist.
    • Zu Holy Terror: Grenzwertig, ein wütendes Dokument. Miller kotzt sich hier recht unreflektiert über den islamistischen Terror aus. Ich kann damit leben und finde da jetzt nichts verwerfliches dran. Insgesamt (leider) nichts Besonderes. Ziemlich flache Story, etwas mehr Tiefgründigkeit wäre ganz gut gewesen und die Zeichnungen könnten auch besser sein, aber ich habe endlich was mit Miller Signatur :P

      @ Stimpy: Ist denn Patriotismus eigentlich so verfänglich ? Kann man sein Land nicht lieben ? Mit allen guten und schlechten Seiten, welche die Geschichte des jeweiligen Landes so mit sich gebracht hat ? Ich finde schon und machs auch :)
    • Na ja, was hat er denn seit, sagen wir 2000, gemacht? Die letzte Sin City-Reihe, Dark Knight Strikes Again und All-Star Batman. Alles ziemlich im Bereich von Meta Fiction, oder? Wie Holy Terror übrigens auch. (Und sein Spirit-Film ebenfalls.) Ich würde da nichts auf die Goldwaage legen.

      Und dieser berühmt-berüchtigte Text auf seiner Homepage-- der ist zumindest sagenhaft komisch. Könnte er glatt einem der Irren seiner Comics in den Mund legen, oder?
      "He had this disease, called, um, Wisenheimers, I think. You know, where your brain cells run out into your pee."
    • Stimpy schrieb:

      Nur weil jemand patriotisch ist und dumme Vorurteile hat ist er kein rechter Extremist.

      ... aber eben ein ziemlicher Vollidiot.
      Ich fand das äusserst begrenzte, konservative Weltbild von Miller ja schon immer befremdlich. Egal ob im Bezug auf Geschlechterrollen und damit einhergehendem Chauvinismus/Sexismus, Gewalt, bizarren Moralvorstellungen oder Sonstigem.
      Das da irgendetwas nicht stimmt und unter der Oberfläche etwas ganz "Hässliches" brodelt, hat man schon in einigen seiner früheren Werken erahnen können (auch wenn es von der ganzen Pseudo-Coolness überdeckt wurde). Durch ein Comic wie "Holy Terror" wird aus dieser Vorahnung nun endgültig absolute Gewissheit.
      Ob das jetzt alles verwerflich ist, will ich nicht beurteilen. Es ist allerdings ein recht stumpfes, eindimensionales Weltbild, das ich nicht teilen kann und welches Miller in meiner Wertschätzung nicht unbedingt steigen lässt.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Doctor Flamenco ()

    • Alan Moore über Frank Miller:

      "Well, Frank Miller is someone whose work I’ve barely looked at for the past twenty years. I thought the Sin City stuff was unreconstructed misogyny, 300 appeared to be wildly ahistoric, homophobic and just completely misguided. I think that there has probably been a rather unpleasant sensibility apparent in Frank Miller’s work for quite a long time. (...) So yes I think it would be fair to say that me and Frank Miller have diametrically opposing views upon all sorts of things..."
      (honestpublishing.com/news/the-…rank-miller-and-politics/)
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)
    • Miller hat zweifelsohne großartige und bahnbrechende Comics geschaffen (Ronin, Batman Year one, The Dark Knight returns, Elektra, usw..), aber was er in den ca. letzten 10-12 Jahren abliefert, ist nur noch Mist, der wohl irgendwie provozieren und innovativ sein soll, aber leider nur noch in jeder Hinsicht entäuscht. Inzwischen sind seine Vorstellungen, was ein guter Comic braucht, wohl recht exklusiv und schon gar nicht mehr massentauglich. Sein Debut als Filmmacher "The Spirit" gehört wohl locker zu den 50 größten Kinogurken aller Zeiten. Für mich ist Miller schon lange durch.
    • Schwieriges Terrain, aber wie oben bereits gesagt, ich glaube, dass Miller -- ob bewusst oder unbewusst -- seit ca. 15 Jahren im Bereich "Meta Fiction" unterwegs ist. Es sind Werke, die sich eher mit den an sie gestellten Erwartungen beschäftigen -- und sie praktisch konsequent unterlaufen. Das kann man provozierend finden (eine Art geistiger Stinkefingert an die Fans) oder kreativ (erfordert ja durchaus eine gewisse Fähigkeit zur Selbstreflexion) oder langweilig (weil trad. Narrativität, Story etc. eher auf der Strecke bleiben).

      Aber: Der Mann hat alles erreicht, er ist eine Art Pop-Star des Mediums geworden -- vielleicht hat er einfach keine Lust sich zu wiederholen und ihm ist unendlich langweilig?

      Und was seine "Aussetzer" angeht: Könnte man nicht annehmen, dass er auch hier mit den an ihn gestellten Erwartungen spielt? Er wird schließlich spätestens seit "Dark Knight" eher in die rechte Ecke gestellt -- wohl auch, weil man gern dazu neigt, Werk und Autor nicht zu trennen. Und weil man die satirischen und reflexiven Aspekte seiner Arbeiten eher unter den Teppich kehrt (wohl auch, weil sie eine gewisse Ambivalenz haben).

      Unterm Strich: Ich habe zwar die Werke, die er seit seiner Robocop-Hollywood-Pause gemacht hat, selten genossen, aber ich habe enormen Respekt davor, dass er einfach nicht willens zu sein scheint, "Dark Knight" zu wiederholen. Und selbst "Holy Terror" -- bei allen Problemen, die der Band hat -- ist in seinem schieren Wahnsinn und seiner (zumindest stellenweisen) explosiven Kraft einen Blick wert. Vielleicht auch zwei.
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    • Jetzt mal etwas überspitzt formuliert: Miller hält der Gesellschaft und dem Comicgenre in Wahrheit also nur den Spiegel vor, spielt permanent mit den Erwartungen die man an einen Comic-Autor wie ihn stellt, wird bewußt immer mehr zu seiner eigenen Parodie und lacht sich still und heimlich ins Fäustchen, da scheinbar alle drauf reinfallen und er in Wirklichkeit sein Schaffen schon lange als grotesque Kunstperformance auslegt, die niemand versteht?
      Eine wunderschöne Vorstellung, die ich leider für nicht sehr wahrscheinlich halte. Ähnlich wie bei einer Band wie Rammstein (die ja auch gerne mit rechter Ästhetik, einem gewissen Männerbild, Sexismus etc.) spielt, geht es dem Mann mMn nur um Provokation der Provokation wegen. Und das auf möglichst stumpfe Art und Weise.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)
    • Ich kann mir kaum vorstellen, dass man sich von Holy Terror provozieren lassen kann, dafür ist die Sache zu OTT, zu grobschlächtig, zu irrsinnig. Wieso nimmt man ein Buch, in dem ein kostümierter, offensichtlich
      gestörter und nicht besonders intelligenter Rächer ein Blutbad anrichtet
      so schrecklich ernst? Es ist doch nur ein Genre-Produkt. Es hat mehr
      mit Captain America/Red Skull von Kirby & Co zu tun -- das
      betrachtet doch auch niemand als ernstzunehmenden historisch-politischen
      Kommentar seiner Macher.

      Alle fragen sich immer nur, ob der Mann noch recht bei Trost ist. Warum eigentlich? Miller ist nicht der Fixer -- selbst wenn er auf seiner Website begnadeten Blödsinn schreibt.

      Der Vergleich mit Rammstein passt übrigens gut ins Bild. Das kann ich auch nicht als Provokation empfinden, das ist Geisterbahn und Märchenwald mit einem wilden Onkel, der böse-blutige Geschichten erzählt, um Kinder zu erschrecken, mehr nicht.
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    • BC McFly schrieb:

      Es sind Werke, die sich eher mit den an sie gestellten Erwartungen beschäftigen -- und sie praktisch konsequent unterlaufen. Das kann man provozierend finden (eine Art geistiger Stinkefingert an die Fans) oder kreativ (erfordert ja durchaus eine gewisse Fähigkeit zur Selbstreflexion) oder langweilig (weil trad. Narrativität, Story etc. eher auf der Strecke bleiben).

      Aber: Der Mann hat alles erreicht, er ist eine Art Pop-Star des Mediums geworden -- vielleicht hat er einfach keine Lust sich zu wiederholen und ihm ist unendlich langweilig?

      Und was seine "Aussetzer" angeht: Könnte man nicht annehmen, dass er auch hier mit den an ihn gestellten Erwartungen spielt?

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      So ähnlich hat man auch über Bob Dylan geschrieben. Der kam dann auch irgendwann auf den Teppich zurück - hoffen wir, das es Miller auch gelingt. Ich persönlich finde, dass seine Aussagen zu Occupy allerdings eine "Qualität" haben, die ich nicht mehr so gelassen/wohlwollend kommentieren könnte. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man den Künstler und das Werk voneinander trennen kann. Wie sagte Batman in Batman begins: Es kommt nicht darauf an was in mir steckt, sondern was ich tue.
    • Hat ein Author mal einen gewissen Status erreicht, neigt man gerne dazu seine Werke zu überinterpretieren. Passender als mein Deutschlehrer im Abi-Leistungskurs kann man es eigentlich nicht ausdrücken: "Manchmal ist ein Butler, der in einem Theaterstück Tee serviert auch wirklich nur ein Butler, der Tee serviert und kein Symbol der Arbeiterklasse und auch keine Kritik an der Teeindustrie".

      Wahrscheinlich machen wir uns beim Lesen wesentlich mehr und wohl auch zuviele Gedanken über Millers Comics, als Miller beim Dahinrotzen seiner Werke selber.
    • Meine Kritik zum US-Band, aus dem gelesen-Thread:

      El_Duderino schrieb:


      Statt der von Frank Miller erhofften Provokation bekommt man hier eine grossteils langweilige und stellenweise sogar unfreiwillig komische Parodie seiner selbst, angereichert mit teils hingerotzten Zeichnungen(wobei Miller in einigen Panels durchaus noch zeigt das er es noch draufhat!).
      Viel Lärm um nichts.