Animal Man #4: Zersplitterte Spezies (Spoiler)

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    • Animal Man #4: Zersplitterte Spezies (Spoiler)



      Handlung & Meinung:

      TRAUERBEWÄLTIGUNG
      "It's over, let's dance." Das Crossover "Rotworld" (welches sich u.a. durch die letzten zwei "Animal Man"-Bände zog), war leider eine recht stupide Prügelorgie, voller Klischees und einem billigen Ende (Stichwort: Deus Ex Machina). Lemire vernachlässigte dabei fast alles, was die Serie anfangs so lesenswert machte, opferte es zugunsten des großen Spektakels und versumpfte dadurch schnell im Superheldeneinheitsbrei. In "Zersplitterte Spezies" kehrt er glücklicherweise wieder zum Ausgangs-Konzept zurück und lässt "Rotworld" retrospektiv nur wie einen misslungenen Zwischenstopp wirken.
      Im vierten Band liegt der Schwerpunkt endlich wieder auf dem Innenleben der Figuren und nicht auf schleimigen Ekel-Monstern, die sich gegenseitig die Fresse polieren. Zentrales Element ist dabei der Tod von Cliff und was dieser mit der restlichen Familie anstellt: Ellen (die Mutter) resigniert völlig und schafft es kaum noch das Bett zu verlassen, Buddy (der Vater) erliegt primär seinem Zorn und seiner Wut und Maxime (die Schwester) verdrängt die Situation und glaubt ihren Bruder noch irgendwie retten zu können.

      MAXIME IM WUNDERLAND
      Das kleine Mädchen entflieht zunehmend der wirklichen Welt, denn ihr Bett wird jede Nacht zum Ausgangspunkt surrealer Abenteuer. Lemire bezieht sich dabei deutlich auf "Little Nemo" (von Winsor McCay) und auf "Alice im Wunderland" (Von Lewis Carroll). Als Rote Königin wird Maxime zur Schöpferin einer ganzen Welt - Alles ist da, weil sie es sich ausgedacht hat. Gott ist ein kleines Mädchen.
      Unter ihrer Führung wird "das Rot" zu einem Ort voller "Magie der Kindheit": Es gibt einen Garten, wo Menschen wachsen als wären es Blumen und ein Knochenschiff, welches auf dem Rücken einer gigantischen Seekuh, durch ein Meer aus Blut schwimmt und von Tier-Piraten/Tieraten bewohnt wird. Lemire liefert hier sicher die skurrilste Bootsfahrt, seit der Tunnelszene in "Willy Wonka" (youtube.com/watch?v=2Zail7Gdqro).
      Am Ende muss Maxime jedoch erkennen, das selbst der Fantasie Grenzen gesetzt sind und manche Dinge einfach unveränderbar sind.

      FIKTION VS REALITÄT
      Neben dem starken Fokus auf die Familienmitglieder greift Lemire jedoch noch auf ein weiteres bekanntes Element (aus dem ersten Band) zurück - Die Filmkarriere von Buddy Baker.
      Erneut wird dabei das fiktionale Leben von Red Thunder dem tatsächlichen Schicksal von Animal Man gegenübergestellt und erneut tun sich dabei unzählige Parallelen auf. Die größte Übereinstimmung: Beide hatten alles und haben alles verloren.
      Gleichzeitig rechnet Lemire hier mit der sensationsgeilen Presse, der heutigen Social Network-Kultur und dem generellen Starkult ab und beleuchtet die Schattenseiten des Heldendaseins. Buddys fiktionales Alter Ego nimmt beispielsweise an unzähligen Fernsehshows teil und wird immer mehr zum Bestandteil/ zum Opfer des Trash-TVs. Seine eigentlich Botschaft und Motivation werden immer nebensächlicher, es geht nur noch darum für Schlagzeilen zu sorgen.

      DAS BÖSE WARTET NICHT
      Und auch wenn Lemire den Action-Anteil erfreulich niedrig hält, bekommt es Animal Man in "Zersplitterte Spezies" auch mit diversen Gegenspielern zu tun. Diese fallen jedoch wesentlich gelungener und facettenreicher aus, als es noch bei "Rotworld" der Fall war. Egal ob psychotrope Spinnenwesen, die sich von Träumen ernähren (und dabei für recht psychedelische Visionen sorgen) oder transmorphe Tieraktivisten, die sich zu bizarren Chimären um-operieren - Es steckt immer eine interessante und clevere Idee dahinter.
      Nur am Ende zaubert Lemire leider einen klischeebeladenen 08/15-Superschurken aus dem Hut, der mal wieder "das Rot" erobern will. Hatten wir das nicht erst?

      Fazit:
      Familien- und Ehe-Drama, Superhelden-Dekonstruktion, Abrechnung mit der heutigen Medienlandschaft + eine drogeninduzierte Abenteuerreise und gleichzeitige Hommage an Carroll und McCay - Lemire liefert im vierten Band jede Menge Input.
      Das sich "Animal Man" nach dem Totalausfall "Rotworld" so stark zurückmelden würde, war nicht zu erwarten. Lemire hat hier nicht nur die Kurve gekriegt und den Ausflug ins Reich des Superhelden-Bombasts hinter sich gelassen, er liefert sogar den bisher besten Band der Serie ab. Da ist es eigentlich schade, dass "Animal Man" in den USA bereits abgesetzt wurde.
      Auch weil die "Justice League United" (bei der Buddy Baker festes Teammitglied ist), kein wirklicher Ersatz ist und ziemlich beliebig ausfällt. (8,5/10)
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)

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    • Animal #4: Zersplitterte Spezies

      Enthält: Animal #19-23, Annual #2

      Ich kann dem Doc nur zustimmen.
      In Band 4 ist nach den tragischen Ereignissen des letzten Bandes wieder Buddys Familie voll im Vordergrund. Kann ein Superheld ein Privatleben haben? Der Band schließt deshalb von seinem Ton her an den genialen 1. Band an. Und auch qualitativ muss er diesenm Vergleich nicht scheuen.
      Lemire zeigt zudem, dass er sehr kreativ ist. In mehreren Ausgaben lässt er die Geschehnisse per Twitter-Kommentar beschreiben. Sehr erfrischend. :ok:
      Außerdem fand ich es erzählerisch sehr gelungen, dass wir neben Buddy's Handlungsstrang auch einen zweiten aus der Sicht seiner Tochter, Maxime, haben. Es ist schwer zu sagen, wer von den beiden wichtiger ist. Maxines Abenteuer im Rot (im Animal-Kostüm!) sind nicht minder interessant.

      Hinsichtlich der Optik hat man zwar wieder verschiedene Zeichner, aber die Arbeit wurde sinnig verteilt. Während Foreman das Annual, einen Rückblick, grafisch gestaltete, nutzte man Leons einfachen Stil um den Film "Red Thunder" abzuheben. Portela und Pugh übernahmen dann die Hauptstory.

      Story: genial
      Optik: okay bis sehr gut

      Insgesamt:
      EXTREM GUT (4,5 von 5 Sternen) :coolred:

      Nachdem mich die ganze Dark-Sparte in letzter Zeit immer mehr enttäuscht hat, bleiben für mich nur Swamp Thing und Animal Man - und das zu Recht.
      Im Grunde gibt es keinen Grund diesen Band nicht zu kaufen. ;) Nach Band 5 ist ohnehin Schluss. Das ist zwar sehr schade, aber andererseits soll die Geschichte ein rundes Ende haben.
      Meine Empfehlungen:
      DC Rebirth: Wonder Woman, Superman, Hal Jordan & das Green Lantern Corps, Detective Comics
      Marvel: Thor
      Lieblingszeichner: Kenneth Rocafort

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Der Rote Hut ()



    • Den Rest der "Dark-Sparte" kann man überwiegend auch wirklich in die Tonne kloppen.
      Da möchte ich wiedersprechen. Dial H, Frankenstein (was auch immer das in dieser Sparte macht), I Vampire, Teile von JL Dark...
      Da sind schon gute Sachen dabei. Gut, die meisten davon sind mittlerweile eingestellt, aber trotzdem!


      These ‘no-nonsense’ solutions of yours just don’t hold water in a complex world of jet-powered apes and time travel
      -Superman

      OMAC [...] should be immediately greenlit as a movie by the first DC Entertainment executive to read these words.

      -Grant Morrison

      EAT IT GRANDPA!
      -Cosmic Boy
    • Joa, ich denke wir meinten beide die Serien, die noch laufen. ;)
      JLD, Constantine, Phantom Tranger, Pandorra - da bin ich doch bei allen Serien stark am Hadern, ob ich sie noch weiterhin kaufe, zumal man ja dank Forever Evil Blight entweder alle Serien oder keine kaufen sollte.
      Meine Empfehlungen:
      DC Rebirth: Wonder Woman, Superman, Hal Jordan & das Green Lantern Corps, Detective Comics
      Marvel: Thor
      Lieblingszeichner: Kenneth Rocafort
    • Und gerade JLD mit Constantine und dann Pandora und Phantome Stranger wurden durch das Trinity of Sin-Event hervorragend mit der (ich nenne das jetzt mal so) nicht-Dark Ebene überschnitten, was der Dark-Sparte nicht nur zu mehr Bekanntheit verholfen hat, sondern die Figuren auch vor dem Verschwinden in die Bedeutungslosigkeit bewahrt. Was zeigt, dass die Figuren sehr wohl ankommen. Aber vielleicht nicht immer in einer Solo-Serie.
      :)
      >You know, Batman's not so scary in the light ... I mean ever<
      Captain Cold
    • Cutec schrieb:

      Den Rest der "Dark-Sparte" kann man überwiegend auch wirklich in die Tonne kloppen.
      Da möchte ich wiedersprechen. Dial H, Frankenstein (was auch immer das in dieser Sparte macht), I Vampire, Teile von JL Dark...
      Da sind schon gute Sachen dabei. Gut, die meisten davon sind mittlerweile eingestellt, aber trotzdem!

      Ich bezog mich dabei auch nur auf die Serien, die aktuell noch laufen. "Frankenstein" war natürlich eine großartige Trash-Granate und "Dial H" ein extrem skurriler und cleverer Mindfuck (der mMn sogar zum Besten gehört, was DC in den letzte Jahren veröffentlicht hat). "JLD" ist teilweise auch ganz nett, unterliegt aufgrund des ständigen Autorenwechsels aber auch enormen Schwankungen in Sachen Qualität und Lesbarkeit.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)
    • Ich finds echt krass dass Animal Man abgesetzt wird und scheinbar wirklich wegen zu niedrigen Verkaufszahlen, was ich nicht nachvollziehen kann da es einer der stärksten Serien seit Anbeginn des New52 ist. Das Animal Man jetzt zu Justice League United verfrachtet wird, als "Schadensersatz", macht mich jetzt auch nicht wirlich glücklich. Bevor jemand damit erwidert das jede Geschichte mal ein Ende haben muss, also letztenendes wird Batman, Superman und co. auch ewig weiter laufen.

      Weiterhin wofür wurde überhaupt versucht den ganzen New52 Dark-Abteil zu entwerfen? Ein Spagat zwischen "Vertigo" Lesern und "DC" Lesern genau bei diesem Bereich muss doch zwangläufig schief laufen. Weder ist es zu düster genug für die einen Leser noch bekommen die anderen das was sie gerne zu lesen hätten. Das Resultat kann seit einem Jahr schon gesehen werden Serien verschwinden und mit ihnen auch die Charaktere, zwar nicht komplett, dennoch zeitweilig von der Bildfläche.

      Was bleibt übrig? Pandora ist nichts ganzes geschweige was halbes. Constantine ist sicherlich kein Hellblazer mehr. Nur noch eine Frage der Zeit bis Swamp Thing und JLD auch abgesetzt werden.

      Ernsthaft jetzt? Irr ich mich?
      "I got a question why would you wear white,
      and a giant cape that looks like a moon,
      if you're fighting crime and haunting faces at night?"
      "Easy.He likes people to see him coming. Because he's crazy."
      - Moon Knight #1
    • lemire hat seine story halt zuende erzählt. und wenn es bei DC keinen autor mit einer gescheiten idee für AM gibt, dann tut man eher gut daran die serie vernünftig zu beenden mMn...

      After finishing the script for #29, I felt I had completed the story I wanted to tell with the Baker family and thought it was a perfect ending for the series. The best way for me to explore new things with the character would be to move him to a team setting and shakeup his status quo, DC agreed, and the Animal Man series will end with my final issue in March.


      Jon Snow schrieb:

      Weiterhin wofür wurde überhaupt versucht den ganzen New52 Dark-Abteil zu entwerfen? Ein Spagat zwischen "Vertigo" Lesern und "DC" Lesern genau bei diesem Bereich muss doch zwangläufig schief laufen. Weder ist es zu düster genug für die einen Leser noch bekommen die anderen das was sie gerne zu lesen hätten. Das Resultat kann seit einem Jahr schon gesehen werden Serien verschwinden und mit ihnen auch die Charaktere, zwar nicht komplett, dennoch zeitweilig von der Bildfläche.
      man kann DC bestimmt nicht vorwerfen die dark-sparte eingeführt zu haben, denn sie war wirklich eine der interessantesten und besten seit dem neustart. außerdem hat das DCU ja eh eher einen düsteren ton, weswegen ich denke das das alles schon seine berechtigung hatte.

      und nebenbei: die etwas "hellere", buntere und lustigere "young justice"-sparte ist sehr viel eher gefloppt. ;)

      bei einigen dieser (tollen) serien waren schlichtweg die leser(zahlen) schuld. (DC hat natürlich auch einige böcke gebaut, aber in der dark-sparte hielt sich das doch sehr in grenzen!)
    • Käpt'n Kalamari schrieb:

      Lemire hat seine story halt zuende erzählt. und wenn es bei DC keinen autor mit einer gescheiten idee für AM gibt, dann tut man eher gut daran die serie vernünftig zu beenden mMn...

      Sehe ich ähnlich. Wenn man "Rotworld" mal ausklammert, hat Lemire auch einen gelungenen und lesenswerten Run hingelegt und kann sich jetzt gerne anderen Projekten widmen - Z.B. wieder einer eigenen Graphic Novel bei Top Shelf (Die "Essex County Trilogie" und "The Underwater Welder" gehören schließlich zu seinen absoluten Meisterwerken).

      Käpt'n Kalamari schrieb:

      Jon Snow schrieb:

      Weiterhin wofür wurde überhaupt versucht den ganzen New52 Dark-Abteil zu entwerfen? Ein Spagat zwischen "Vertigo" Lesern und "DC" Lesern genau bei diesem Bereich muss doch zwangläufig schief laufen. Weder ist es zu düster genug für die einen Leser noch bekommen die anderen das was sie gerne zu lesen hätten.
      man kann DC bestimmt nicht vorwerfen die dark-sparte eingeführt zu haben, denn sie war wirklich eine der interessantesten und besten seit dem neustart.

      Zumal es ganz sicher nicht an der "fehlenden Düsternis" liegt/lag, dass einige Serien mittlerweile eingestellt wurden oder an Qualität verloren haben.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Doctor Flamenco ()

    • Ich fand des Ende von Rotworld zwar nicht so schlecht wie andere hier, aber trotzdem ist schön und besser, wenn sich Animal Man auf die zwischen menschliche Komponente bezieht. Da macht das lesen gleich wieder mehr Spaß. Auch die Star-Probleme werden schön beleuchtet und zeigen, dass es sogar Menschen gibt, die zweifeln ob er wirklich die Kräfte hat. Demgegenüber stehen andere, die Buddy scheinbar anhimmeln.