Star Wars Kollektion - der rezi thread (spoiler ahead)

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    • Galaktischer Sammelwahn Nr.48: Im Westen nichts Neues ("Darth Vader und der Schrei der Schatten")

      In den Wirren einer Schlacht auf Geonosis wird ein totgeglaubter Klonsoldat von seinem Kommandanten zurück gelassen und schafft es tatsächlich, den widrigen Umständen des staubigen Planeten zu trotzen. Doch während seines Überlebenskampfes und des darauf folgenden, unfreiwilligen Exils, ändern sich die Verhältnisse in der Galaxis dramatisch: Die Republik wird durch das Galaktische Imperium ersetzt, die Jedi wurden zu Staatsfeinden erklärt und ein unbarmherziger Kommandant namens Darth Vader überzieht die galaktischen Frontlinien mit Angst und Schrecken. Hock Malsuum, wie sich der einst auf eine Registriernummer reduzierte Klonsoldat nun nennt, findet in Vader ein Vorbild, das die gleichen Ideale zu teilen scheint. Während die Klonregimenter einst für Ordnung und Disziplin in der Schlacht bekannt waren, sind die neuen Truppen weitestgehend nur noch ein Schatten jener glorreichen Tage, doch der finstere Lord steht wie ein Fels in der Brandung für all jene militärischen Werte. Hock schafft es, sich das Vertrauen Vaders zu verdienen und verbringt einige Zeit unter dessen Befehl. Doch auch er muss feststellen, dass der gefallene Jedi-Meister noch wesentlich abgrundtiefere Seiten in sich verbirgt.

      Eine zweite Geschichte beschert uns ein Wiedersehen mit den liebenswerten Ganoven Big Gizz und Spiker, die wir bereits in Ausgabe 31 ("Jabba der Hutt") kennenlernen durften. Beide treffen in der Einöde Tatooines auf eine Geheimwaffe des Imperiums, die dummerweise von den neugierigen Jawas erweckt wurde und sich munter durch die Wüste ballert.

      Während der kleine Ausflug nach Tatooine inhaltlich eher harmloser Natur ist, fährt "Darth Vader und der Schrei der Schatten" große erzählerische Geschütze auf. Zwar ist, anders als erwartet, nicht Vader die eigentliche Hauptfigur, aber der Perspektivwechsel zur Wahrnehmung des wohl größten intergalaktischen Antagonisten aller Zeiten über einen Klonsoldaten ist schlichtweg wirkungsvoll gelungen. Nebenbei wird noch die qualitative Degeneration der Imperialen Sturmtruppen mit angeprangert, die sich von einer effektiven Tötungsmaschinerie wie den Klonsoldaten binnen kürzester Zeit weit entfernt haben. Vader als kaltblütiger und effektiver Kontrapunkt wirkt nur noch unheilvoller, insbesondere als es um die Eroberung des Planeten Ostor geht. Niemand ist vor dem dunklen Lord sicher, was letztlich sogar Hock zum Nachdenken über die Wahl seines Idols bringt. Zeichnerisch liefert Gabriel Guzman teils aufwendige, manchmal leicht an Ölgemälde erinnernde, Bilder, von denen man zumeist gar nicht genug bekommen kann. Der Stil der Zweitgeschichte fällt zwar deutlich ab, lässt sich aber immer noch unter "pragmatisch" abhaken. Als Boni gibt es eine vollständige Cover-Galerie der Einzelhefte und ein 1seitiges Feature über die "Star Wars"-Animationsserie "Droids", welche die Zeitspanne zwischen "Die Rache der Sith" und "Eine neue Hoffnung" inhaltlich mit ausgestalten sollte.

      "Darth Vader und der Schrei der Schatten" ist eine gut lesbare und unterhaltsame Schlachtfeld-Biografie, die insbesondere Vader nicht sonderlich romantisch verklärt, sondern ihn als die effektive Tötungsmaschine charakterisiert, die er eigentlich ist. Zwar wird inhaltlich wenig Neues geboten, aber der Perspektivwechsel ist originell genug, um die Geschichte nicht neben ähnlichen Erzählungen versumpfen zu lassen.


      Dramaturgie/Erzählung8/10
      Zeichnungen8/10
      Kreativität7/10
      Gesamtwertung7.66 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.49: Was wäre, wenn in einer Galaxie weit, weit entfernt... ("Infinities: Eine neue Hoffnung")

      ...ausgerechnet Lukes Protonentorpedos so genannte "Montagsstücke" (=Produkte mit einem oder mehreren Produktionsfehlern...) gewesen wären, die auf ihrem Weg in den Lüftungsschacht des Todessternes nicht oder zum falschen Zeitpunkt detoniert wären? Was wäre, wenn die Rebellion damit im Yavin-System gescheitert wäre, das Imperium den Endsieg davongetragen und die berühmteste Familie des "Star Wars"-Universums auf andere Weise zusammengefunden hätte? All diesen Fragen geht die "Infinities"-Reihe auf den Grund und zeichnet damit eine teilweise wunderbare andersartige Version der bekannten Ereignisse aus der vierten Film-Episode. Nach dem fatalen Versagen der Waffentechnik in der Schlacht bei Yavin, verschlägt es Luke, gemeinsam mit Han Solo und Chewbacca, nach Dagobah, wo er bei Meister Yoda seine Ausbildung zum Jedi-Ritter beginnt. Prinzessin Leia wird unterdessen vom Imperium als Aushängeschild für das Versagen der Rebellion missbraucht und mit der Zeit arrangiert sie sich mit den neuen Machthabern und ihrem auffälligen Beschützer Darth Vader. Dieser bildet Leia in der Kunst der Jedi aus, um selbst einen Trumpf gegen den unberechenbaren Imperator Palpatine in der Hand zu haben. Als Luke nach vielen Jahren seine Ausbildung abschließt, erfährt er von Yoda die Wahrheit über seine komplizierten Familienverhältnisse und eilt ins Herz des Imperiums, um Leia aus den finsteren Fängen Vaders und Palpatines zu befreien...doch diese denkt gar nicht daran, ihrem vermeintlichen Bruder zu folgen und zückt ihr Lichtschwert...

      In einem zweiten Storybogen erleben wir die Ereignisse der Episoden 4 und 5 aus Sicht der beiden Rebellenoffiziere Tag und Bink. Voller patzigem Witz und unbeholfenen Aktionen werden wir Zeuge eines äußerst humorvollen Perspektivwechsels, der sogar die offene Frage klärt, wie ein imperiales Shuttle (gemeint ist die "Tydirium" aus Episode 6) in die Hände der Rebellen geraten konnte. Der Funny ist zwar nicht unbedingt ein episches Stück Comic-Geschichte, sorgt aber durchaus für den ein oder anderen Grinser.

      "Infinities" schlägt eine ähnliche Kerbe wie die legendären "What if..."-Comics aus dem Hause Marvel ein und serviert uns bekannte Rahmenhandlungen, die jedoch in einem vermeintlich kleinen Detail von der etablierten Erzählung abweichen und daraus teils fatale Folgen stricken. Tatsächlich wird uns bewusst, wie viel Glück im Finale von "Eine neue Hoffnung" im Spiel war und welche Ereignisketten ein Fehlen dieses "Momentums" in Gang setzen könnte. Das Ergebnis liest sich außerst unterhaltsam und bietet teilweise ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten, auch wenn man, meiner Meinung nach, die Unterschiede zum Original ruhig noch ein wenig mehr hätte auf die Spitze treiben können. Man fühlt regelrecht, dass die kreativen Köpfe den Pfad der ursprünglichen Geschichte dann doch nicht zu sehr verwässern wollten und immerhin findet man als Fan zahlreiche Elemente von Episode 4 bis hin zu "Das Imperium schlägt zurück" wieder. Künstlerisch hätte es jedoch ein wenig mehr sein dürfen, denn der Zeichenstil ist ab und zu nicht durchgehend auf dem eigentlich soliden Niveau - manchmal wirken einige Figuren zu cartoonesk verfremdet, um der eigentlichen Ernsthaftigkeit gerecht zu werden. Im Funny hingegen verzeiht man exakt diesen Stil natürlich, da er den schrägen Erlebnissen der beiden "heldenhaften" Rebellen schlichtweg mehr als angemessen ist. Als Bonus gibt es eine Cover-Galerie, die meist obligatorischen Zusatzinfos zu den Filmen oder Figuren wurden für diese Ausgabe mal wieder gestrichen - wirklich vermisst habe ich sie aber, ehrlich gesagt, nicht.

      Die unterhaltsame "Was wäre, wenn"-Geschichte verdient sich mit ihren teils interessanten, teils unerwarteten Möglichkeiten und der durchweg soliden, wenngleich unaufregenden, künstlerischen Ausgestaltung eine überdurchschnittliche Gesamtwertung.


      Dramaturgie/Erzählung7/10
      Zeichnungen7/10
      Kreativität8/10
      Gesamtwertung7.33 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.50: Bomo Greenbark schlägt zurück! ("Dark Times: Parallelen")

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      Nachdem eine sehr persönliche Rettungsmission mit einer tragischen Botschaft für Bomo Greenbark endete, trennte er sich von seinem kurzzeitigen Partner, dem Jedi Dass Jennir, und schloss sich der Crew eines Schmugglerschiffes an, die eine wertvolle Fracht an einen dubiosen Händler verschachern will. Wie zu erwarten, hat die seltsame Kiste die Aufmerksamkeit einiger konkurrierender Interessensgruppen auf sich gezogen und die Übergabe verläuft nicht ganz nach Plan. Doch Bomo, gezeichnet von Verzweiflung, aber auch Hingabe für seine neue Familie, will sich mit dem drohenden Schicksal nicht abgeben und entschließt sich alles für seine Kameraden aufs Spiel zu setzen.
      Parallel kämpft der Jedi-Meister K'Kruhk mit den Konsequenzen der "Order 66" (= programmierte Auslöschung der Jedi durch die Klonsoldaten), die ihn zum unfreiwilligen "Ziehvater" für eine Horde Jedi-Jünglinge macht. Das Schicksal führt ihn auf einen wilden Mond, der auf den ersten Blick Sicherheit für den Jedi-Nachwuchs verspricht. Doch der Zufall führt einige finstere Gestalten in jene Gefilde und K'Krukh muss sich zwischen dem Weg der Jedi und dem sicheren Überleben seiner Schützlinge entscheiden.

      Zusätzlich zum Inhalt der Fortsetzung des "Dark Times"-Handlungsbogens strandet ein Minenarbeiter mit seinem defekten Schiff auf einem abgelegenen Handelsposten, der von einem ruchlosen Verbecher regiert wird. Trotz aller Vorsicht wird er kurz nach seiner Ankunft in ein Duell auf Leben und Tod verwickelt.

      "Parallelen" widmet sich erneut dem Überlebenskampf der Jedi im Universum nach der Aktivierung der Order 66, so wie dem persönlichen Schicksal Bomos, der zwischen all der herrschenden Finsternis eine neue Chance auf ein kleines Glück zu erhalten scheint. Dynamische und detaillierte Zeichnungen, in mehr oder weniger wechselnden stilistischen Richtungen, sorgen für hochwertiges Comic-Lesevergnügen und transportieren die dunkle Atmosphäre der Geschichte passend zum Leser. Der allergrößte Pluspunkt sind jedoch die gelungenen Figuren, allen voran Bomo und die Crew des Schmugglerschiffes Uhumele, denen man einfach gerne folgt und regelrecht mitleidet, wenn tatsächlich einige Entwicklungen komplett in die falsche Richtung verlaufen. Dies ist im Übrigen ein entscheidendes Qualitätsmerkmal der vergleichsweise hohen Wertung, denn ohne diese fantastischen Charaktere böte "Parallelen" storymäßig wenig Neues. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, insbesondere wenn man natürlich die Vorgänger kennt (Unbedingt lesen! Der beste Stoff der Sammelreihe!). Als Boni gibt es ein zweiseitiges Feature über den Todesstern, einen 1seitigen Einblick in die Synchronarbeit zu "The Clone Wars" und eine vollständige Cover-Galerie der Einzelhefte. Mehr kann man kaum verlangen.


      Dramaturgie/Erzählung
      8 / 10
      Zeichnungen
      9 / 10
      Kreativität
      8 / 10
      Gesamtwertung
      8.33 / 10