Star Wars Kollektion - der rezi thread (spoiler ahead)

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    • Galaktischer Sammelwahn Nr.48: Im Westen nichts Neues ("Darth Vader und der Schrei der Schatten")

      In den Wirren einer Schlacht auf Geonosis wird ein totgeglaubter Klonsoldat von seinem Kommandanten zurück gelassen und schafft es tatsächlich, den widrigen Umständen des staubigen Planeten zu trotzen. Doch während seines Überlebenskampfes und des darauf folgenden, unfreiwilligen Exils, ändern sich die Verhältnisse in der Galaxis dramatisch: Die Republik wird durch das Galaktische Imperium ersetzt, die Jedi wurden zu Staatsfeinden erklärt und ein unbarmherziger Kommandant namens Darth Vader überzieht die galaktischen Frontlinien mit Angst und Schrecken. Hock Malsuum, wie sich der einst auf eine Registriernummer reduzierte Klonsoldat nun nennt, findet in Vader ein Vorbild, das die gleichen Ideale zu teilen scheint. Während die Klonregimenter einst für Ordnung und Disziplin in der Schlacht bekannt waren, sind die neuen Truppen weitestgehend nur noch ein Schatten jener glorreichen Tage, doch der finstere Lord steht wie ein Fels in der Brandung für all jene militärischen Werte. Hock schafft es, sich das Vertrauen Vaders zu verdienen und verbringt einige Zeit unter dessen Befehl. Doch auch er muss feststellen, dass der gefallene Jedi-Meister noch wesentlich abgrundtiefere Seiten in sich verbirgt.

      Eine zweite Geschichte beschert uns ein Wiedersehen mit den liebenswerten Ganoven Big Gizz und Spiker, die wir bereits in Ausgabe 31 ("Jabba der Hutt") kennenlernen durften. Beide treffen in der Einöde Tatooines auf eine Geheimwaffe des Imperiums, die dummerweise von den neugierigen Jawas erweckt wurde und sich munter durch die Wüste ballert.

      Während der kleine Ausflug nach Tatooine inhaltlich eher harmloser Natur ist, fährt "Darth Vader und der Schrei der Schatten" große erzählerische Geschütze auf. Zwar ist, anders als erwartet, nicht Vader die eigentliche Hauptfigur, aber der Perspektivwechsel zur Wahrnehmung des wohl größten intergalaktischen Antagonisten aller Zeiten über einen Klonsoldaten ist schlichtweg wirkungsvoll gelungen. Nebenbei wird noch die qualitative Degeneration der Imperialen Sturmtruppen mit angeprangert, die sich von einer effektiven Tötungsmaschinerie wie den Klonsoldaten binnen kürzester Zeit weit entfernt haben. Vader als kaltblütiger und effektiver Kontrapunkt wirkt nur noch unheilvoller, insbesondere als es um die Eroberung des Planeten Ostor geht. Niemand ist vor dem dunklen Lord sicher, was letztlich sogar Hock zum Nachdenken über die Wahl seines Idols bringt. Zeichnerisch liefert Gabriel Guzman teils aufwendige, manchmal leicht an Ölgemälde erinnernde, Bilder, von denen man zumeist gar nicht genug bekommen kann. Der Stil der Zweitgeschichte fällt zwar deutlich ab, lässt sich aber immer noch unter "pragmatisch" abhaken. Als Boni gibt es eine vollständige Cover-Galerie der Einzelhefte und ein 1seitiges Feature über die "Star Wars"-Animationsserie "Droids", welche die Zeitspanne zwischen "Die Rache der Sith" und "Eine neue Hoffnung" inhaltlich mit ausgestalten sollte.

      "Darth Vader und der Schrei der Schatten" ist eine gut lesbare und unterhaltsame Schlachtfeld-Biografie, die insbesondere Vader nicht sonderlich romantisch verklärt, sondern ihn als die effektive Tötungsmaschine charakterisiert, die er eigentlich ist. Zwar wird inhaltlich wenig Neues geboten, aber der Perspektivwechsel ist originell genug, um die Geschichte nicht neben ähnlichen Erzählungen versumpfen zu lassen.


      Dramaturgie/Erzählung8/10
      Zeichnungen8/10
      Kreativität7/10
      Gesamtwertung7.66 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.49: Was wäre, wenn in einer Galaxie weit, weit entfernt... ("Infinities: Eine neue Hoffnung")

      ...ausgerechnet Lukes Protonentorpedos so genannte "Montagsstücke" (=Produkte mit einem oder mehreren Produktionsfehlern...) gewesen wären, die auf ihrem Weg in den Lüftungsschacht des Todessternes nicht oder zum falschen Zeitpunkt detoniert wären? Was wäre, wenn die Rebellion damit im Yavin-System gescheitert wäre, das Imperium den Endsieg davongetragen und die berühmteste Familie des "Star Wars"-Universums auf andere Weise zusammengefunden hätte? All diesen Fragen geht die "Infinities"-Reihe auf den Grund und zeichnet damit eine teilweise wunderbare andersartige Version der bekannten Ereignisse aus der vierten Film-Episode. Nach dem fatalen Versagen der Waffentechnik in der Schlacht bei Yavin, verschlägt es Luke, gemeinsam mit Han Solo und Chewbacca, nach Dagobah, wo er bei Meister Yoda seine Ausbildung zum Jedi-Ritter beginnt. Prinzessin Leia wird unterdessen vom Imperium als Aushängeschild für das Versagen der Rebellion missbraucht und mit der Zeit arrangiert sie sich mit den neuen Machthabern und ihrem auffälligen Beschützer Darth Vader. Dieser bildet Leia in der Kunst der Jedi aus, um selbst einen Trumpf gegen den unberechenbaren Imperator Palpatine in der Hand zu haben. Als Luke nach vielen Jahren seine Ausbildung abschließt, erfährt er von Yoda die Wahrheit über seine komplizierten Familienverhältnisse und eilt ins Herz des Imperiums, um Leia aus den finsteren Fängen Vaders und Palpatines zu befreien...doch diese denkt gar nicht daran, ihrem vermeintlichen Bruder zu folgen und zückt ihr Lichtschwert...

      In einem zweiten Storybogen erleben wir die Ereignisse der Episoden 4 und 5 aus Sicht der beiden Rebellenoffiziere Tag und Bink. Voller patzigem Witz und unbeholfenen Aktionen werden wir Zeuge eines äußerst humorvollen Perspektivwechsels, der sogar die offene Frage klärt, wie ein imperiales Shuttle (gemeint ist die "Tydirium" aus Episode 6) in die Hände der Rebellen geraten konnte. Der Funny ist zwar nicht unbedingt ein episches Stück Comic-Geschichte, sorgt aber durchaus für den ein oder anderen Grinser.

      "Infinities" schlägt eine ähnliche Kerbe wie die legendären "What if..."-Comics aus dem Hause Marvel ein und serviert uns bekannte Rahmenhandlungen, die jedoch in einem vermeintlich kleinen Detail von der etablierten Erzählung abweichen und daraus teils fatale Folgen stricken. Tatsächlich wird uns bewusst, wie viel Glück im Finale von "Eine neue Hoffnung" im Spiel war und welche Ereignisketten ein Fehlen dieses "Momentums" in Gang setzen könnte. Das Ergebnis liest sich außerst unterhaltsam und bietet teilweise ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten, auch wenn man, meiner Meinung nach, die Unterschiede zum Original ruhig noch ein wenig mehr hätte auf die Spitze treiben können. Man fühlt regelrecht, dass die kreativen Köpfe den Pfad der ursprünglichen Geschichte dann doch nicht zu sehr verwässern wollten und immerhin findet man als Fan zahlreiche Elemente von Episode 4 bis hin zu "Das Imperium schlägt zurück" wieder. Künstlerisch hätte es jedoch ein wenig mehr sein dürfen, denn der Zeichenstil ist ab und zu nicht durchgehend auf dem eigentlich soliden Niveau - manchmal wirken einige Figuren zu cartoonesk verfremdet, um der eigentlichen Ernsthaftigkeit gerecht zu werden. Im Funny hingegen verzeiht man exakt diesen Stil natürlich, da er den schrägen Erlebnissen der beiden "heldenhaften" Rebellen schlichtweg mehr als angemessen ist. Als Bonus gibt es eine Cover-Galerie, die meist obligatorischen Zusatzinfos zu den Filmen oder Figuren wurden für diese Ausgabe mal wieder gestrichen - wirklich vermisst habe ich sie aber, ehrlich gesagt, nicht.

      Die unterhaltsame "Was wäre, wenn"-Geschichte verdient sich mit ihren teils interessanten, teils unerwarteten Möglichkeiten und der durchweg soliden, wenngleich unaufregenden, künstlerischen Ausgestaltung eine überdurchschnittliche Gesamtwertung.


      Dramaturgie/Erzählung7/10
      Zeichnungen7/10
      Kreativität8/10
      Gesamtwertung7.33 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.50: Bomo Greenbark schlägt zurück! ("Dark Times: Parallelen")

      Nachdem eine sehr persönliche Rettungsmission mit einer tragischen Botschaft für Bomo Greenbark endete, trennte er sich von seinem kurzzeitigen Partner, dem Jedi Dass Jennir, und schloss sich der Crew eines Schmugglerschiffes an, die eine wertvolle Fracht an einen dubiosen Händler verschachern will. Wie zu erwarten, hat die seltsame Kiste die Aufmerksamkeit einiger konkurrierender Interessensgruppen auf sich gezogen und die Übergabe verläuft nicht ganz nach Plan. Doch Bomo, gezeichnet von Verzweiflung, aber auch Hingabe für seine neue Familie, will sich mit dem drohenden Schicksal nicht abgeben und entschließt sich alles für seine Kameraden aufs Spiel zu setzen.
      Parallel kämpft der Jedi-Meister K'Kruhk mit den Konsequenzen der "Order 66" (= programmierte Auslöschung der Jedi durch die Klonsoldaten), die ihn zum unfreiwilligen "Ziehvater" für eine Horde Jedi-Jünglinge macht. Das Schicksal führt ihn auf einen wilden Mond, der auf den ersten Blick Sicherheit für den Jedi-Nachwuchs verspricht. Doch der Zufall führt einige finstere Gestalten in jene Gefilde und K'Krukh muss sich zwischen dem Weg der Jedi und dem sicheren Überleben seiner Schützlinge entscheiden.

      Zusätzlich zum Inhalt der Fortsetzung des "Dark Times"-Handlungsbogens strandet ein Minenarbeiter mit seinem defekten Schiff auf einem abgelegenen Handelsposten, der von einem ruchlosen Verbecher regiert wird. Trotz aller Vorsicht wird er kurz nach seiner Ankunft in ein Duell auf Leben und Tod verwickelt.

      "Parallelen" widmet sich erneut dem Überlebenskampf der Jedi im Universum nach der Aktivierung der Order 66, so wie dem persönlichen Schicksal Bomos, der zwischen all der herrschenden Finsternis eine neue Chance auf ein kleines Glück zu erhalten scheint. Dynamische und detaillierte Zeichnungen, in mehr oder weniger wechselnden stilistischen Richtungen, sorgen für hochwertiges Comic-Lesevergnügen und transportieren die dunkle Atmosphäre der Geschichte passend zum Leser. Der allergrößte Pluspunkt sind jedoch die gelungenen Figuren, allen voran Bomo und die Crew des Schmugglerschiffes Uhumele, denen man einfach gerne folgt und regelrecht mitleidet, wenn tatsächlich einige Entwicklungen komplett in die falsche Richtung verlaufen. Dies ist im Übrigen ein entscheidendes Qualitätsmerkmal der vergleichsweise hohen Wertung, denn ohne diese fantastischen Charaktere böte "Parallelen" storymäßig wenig Neues. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, insbesondere wenn man natürlich die Vorgänger kennt (Unbedingt lesen! Der beste Stoff der Sammelreihe!). Als Boni gibt es ein zweiseitiges Feature über den Todesstern, einen 1seitigen Einblick in die Synchronarbeit zu "The Clone Wars" und eine vollständige Cover-Galerie der Einzelhefte. Mehr kann man kaum verlangen.


      Dramaturgie/Erzählung
      8 / 10
      Zeichnungen
      9 / 10
      Kreativität
      8 / 10
      Gesamtwertung
      8.33 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.51: Jagd durch die Jahrtausende ("Vector I : Der Muur-Talismann")

      Auf dem Planeten Taris, dessen untere Ebenen immer wieder von den Rakghoul, von einem mysteriösen Erreger in scheinbar willenlose Bestien verwandelte Lebewesen, heimgesucht werden, trifft der einstige Padawan Zayne Carrick auf die Jedi-Meisterin Celeste Morne. Diese befindet sich auf der Suche nach einem mächtigen Artefakt, dass einst von einem Meister der Sith geschaffen wurde: Der Muur-Talismann. Dummerweise sind die Mandalorianer, die sich mit der Republik im Kriegszustand befinden, schneller und bringen das Kleinod zu einem ihrer schwer gesicherten Stützpunkte. Obwohl Carrick unter den Jedi nicht den besten Ruf genießt, tut sich Celeste mit ihm zusammen und muss schnell feststellen, dass der Fluch des Artefakts auch die stärksten Machtanwender beeinflussen kann.
      Knapp 4000 Jahre später erleben wir, wie Bomo Greenbark und die Crew des Schmugglerschiffes Uhumele nach dem schief gegangenen Handel in "Dark Times: Parallelen" versucht, ihre heißbegehrte Ware in Form eines Sarkophages, doch noch loszuschlagen. Doch auch das Imperium hegt ein gesteigertes Interesse an dem komischen Kasten, dessen Inhalt selbst Darth Vader überrascht.

      Das wohl erste "Star Wars"-Crossover zieht sich von der Zeit der Alten Republik bis hin zu den Ereignissen der "Dark Times" (kurz nach "Die Rache der Sith") und erstreckt sich im kommenden Band sogar bis zur "Legacy"-Serie, die bekanntlich wiederum 126 Jahre nach dem Ende der Original-Trilogie spielt. Besonders interessant gestaltet sich dabei natürlich die Weiterführung der Geschichte rund um Bomo und die Crew der Uhumele, die nach der fatalen Begegnung aus "Parallelen" erst mal ihre Wunden lecken und sich neu sammeln müssen. Der erste Teil rund um Zayne und Celeste kann da erzählerisch leider nicht ganz mithalten, auch wenn man der Geschichte eine gewisse Kurzweiligkeit nicht absprechen kann. Zeichnerisch bewegt sich diese zudem auf einem recht cartoonlastigen Niveau, das nicht unbedingt die Ernsthaftigkeit der Ereignisse unterstreichen kann. Dafür entschädigt der "Dark Times"-Ableger mit herausragenden Figurendarstellungen und wunderbaren Raumschiffzeichnungen. Eine Cover-Galerie der Einzelhefte bildet das einzige Extra, auf die meist üblichen Features wurde mal wieder verzichtet.


      Die teils "nur" solide, aber insbesondere zum zwischenzeitlichen Finale hin aufdrehende Geschichte und der teilweise herausragende Zeichenstil bringt Band 51 der Sammelreihe sorgen für eine ebenso solide Gesamtwertung.


      Dramaturgie/Erzählung7 / 10
      Zeichnungen7 / 10
      Kreativität7 / 10
      Gesamtwertung7 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.52: Gestern, heute, morgen ("Vector II: Plage der Vergangenheit")

      Vor zahlreichen Jahrausenden Band der Sith-Lord Karness Muur seine Seele an einen Talismann, der ihm auf gewisse Weise die Unsterblichkeit garantieren sollte. Sobald ein machtaffines Wesen, z.B. ein Jedi, auf das Kleinod stieß, sollte dessen Geist durch das intensive Flüstern Muurs beeinflusst und für eine Übernahme vorbereitet werden. Wie es bei solchen Plänen aber des öfteren läuft, wird ausgerechnet die mächtige Jedi Celeste Morne zum Gefäß Muurs und ließ sich für knapp 4000 Jahre in einem abschirmenden Sarkophag zur Ruhe betten, der in den Wirren der Kriege zwischen der Alten Republik und den Mandalorianern verlorgen ging. Während dieser Zeit gelang es ihr, den Geist des Sith in Schach zu halten und auch als das Imperium schließlich auf das mächtige Artefakt aufmerksam wird, verliert sie ihre wichtige Aufgabe nicht aus den Augen. Denn könnte Muur walten, wie er wöllte, würde die Galaxis unter dem Ansturm seiner potentiellen Rakghul-Truppen erzittern. Als Darth Vader den Aufenthaltsort Mornes findet und eine Einheit Sturmtruppen an das gefährliche Artefakt verliert, wittert er die Chance, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Auf der einen Seite darf ein Rebellentrupp unter Leitung von Luke Skywalker und Leia Organa die vermeintliche Geheimwaffe des Imperiums auf einem einsamen Mond suchen, aber auf der anderen Seite hofft Vader darauf, dass der Talismann am Ende die Vernichtung über die Rebellion bringen wird.
      In der Zukunft des "Star Wars"-Universums wird auch Cade Skywalker in die Ereignisse um den Muur-Talismann verwickelt, als er und die Crew der "Mynock" auf einen im All treibenden Sternenzerstörer treffen, der eine schicksalhafte Fracht trägt. Kann er die neu gewonnenen Kräfte nutzen, um den finsteren Sith-Imperator Darth Krayt endlich das Zeitliche segnen zu lassen? Oder wird Cade schließlich doch den Verlockungen der dunklen Seite erliegen?

      Das "Vector"-Crossover liefert uns eine Geschichte, die vier Zeit- bzw. Erzählebenen des "Star Wars"-Universums kurzweilig, aber nicht unbedingt wenig komplex, miteinander verbindet. Während in Band 1 die Zeit der "Alten Republik" und die Crew der Uhumele rund um Bomo Greenbark ("Dark Times") im Zentrum standen, verschlägt es den Talismann diesmal in die Zeit kurz nach "Eine neue Hoffnung" und schließlich in die dunkle Zukunft der "Legacy"-Reihe. Ohne Kenntnis Letzterer wird es relativ schwer, die Ereignisse in ein nennenswertes Verständnis zu bringen, Interessenten sollten sich also zuerst in dieser Richtung belesen - es lohnt sich. Die Geschichte selbst hat wesentlich mehr Schwung als der Vorgänger ("Der Muur-Talismann") und zieht vor allem dadurch in ihren Bann, dass sie tatsächlich zumindest eine echte Fortsetzung der "Legacy"-Ereignisse ist. Ob die Ereignisse tatsächlich einen solchen Einfluss auf die Handlung dieses Erzählbogens haben, wird sich zeigen - einschneidend sind sie aber auf jeden Fall. Künstlerisch kann man weitestegehend auf Zeichnungen Jan Duursemas zurückgreifen, die wie immer angenehm zu betrachten sind und die Atmosphäre der Geschichte bestens unterstreichen. Als Bonus gibt es lediglich eine Cover-Galerie der enthaltenen Einzelhefte, während auf die meist obligatorische Kurzreportage mal wieder verzichtet wurde.


      Dramaturgie/Erzählung8/10
      Zeichnungen8/10
      Kreativität7/10
      Gesamtwertung7.66 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.53: Blecheimer auf Abwegen ("Die Droiden")

      Dass es sich bei R2-D2 und C3PO um die wohl prominentesten Droiden der Film- und Fernsehgeschichte handelt, dürfte für "Star Wars" überhaupt nicht zur Diskussion stehen. Und natürlich führen die beiden auch ein Leben außerhalb der epischen Ereignisse der Filmtrilogien, wie der vorliegende Band der Comic-Kollektion eindrucksvoll und kurzweilig beweist. Kurz vor den Ereignissen aus Episode 4 ("Eine neue Hoffnung") und ohne Einfluss der späteren Prequel-Trilogie, werden die Droiden an einen Schrotthändler verscherbelt, der sie dem zwielichtigen Olag überlässt, der die Geschicke einer Raumstation im abgelegenen Kalarba-System führt. Dumm nur, dass der gleiche Frachter den Killerdroiden IG-88 an Bord hat, der auf eben jenen Kleinkriminellen angesetzt wurde und in R2 eine dringend benötigte Reparaturplattform sieht. Im Anschluss verschlägt es die zwei Blechkumpels auf die bewohnte Welt des Systems, auf der sie von der Unternehmerfamilie Pitareeze adoptiert und in den Familienbetrieb eingebunden werden. Auch Olag hat Kontakte zur Familie, wenngleich sich diese auf das Interesse an einer fortschrittlichen Hyperantriebstechnologie beschränken, die Großvater Pitareeze einst erfand. Danach bekommen es R2 und C3PO mit Piraten zu tun, die das Kreuzfahrtschiff der Familie entern und beide Droiden, nebst dem jüngsten Spross, in ihre Gewalt bringen. Schließlich gibt es ein Zusammentreffen mit C3PX, einem Attentäter-Droiden, der C3PO erstaunlich ähnelt und schnell ein unterhaltsames Verwechslungsspiel in Gang setzt. Als wäre das noch nicht genug Stress, bekommen es die beiden metallenen Helden auch noch mit wandelnden Steinhaufen, zwei verdächtigen Kindergarten-Droiden und einer Bombe an Bord der Raumstation "Hosk" im Orbit um Kalarba zu tun.

      Zugegeben, von einem Band rund um die beiden knuffigen Blechkumpanen habe ich nicht viel mehr als seichte Unterhaltung erwartet. Die habe ich auch bekommen, aber auf so eine sympathische Art und Weise, dass die an sich harmlosen, aber NICHT unbedingt vorausschaubar ablaufenden (!), Geschichten kaum negativ ins Gewicht fallen können. Es ist schlichtweg mal etwas anderes, wenn R2-D2 und C3PO manchmal etwas tollpatschig, manchmal bewusst (besonders R2...) von einem kuriosen Abenteuer in das nächste springen und man endlich erfährt, weshalb C3PO´s ständiges Jammern durchaus mehr als gerechtfertigt ist. Auch künstlerisch hat mich der Band, mit Material, das bekanntlich aus den nicht immer zeichnerisch gänzlich attraktiv gehaltenen Achtzigerjahren stammt, über weite Strecken überzeugt. Zwar haftet naturgemäß der nostalgische Look jener Ära an so ziemlich jedem Panel, aber nur selten wird es zu pragmatisch oder gar minimalistisch. Als Boni gibt es eine vollständige Cover-Galerie der enthaltenen Einzelausgaben und ein 1seitiges Feature zu John Williams´ musikalischer Ausgestaltung von Episode 2 "Angriff der Klonkrieger".

      Eine überraschend runde und vor allem kurzweilige Ausgabe, die sich in dieser Hinsicht nicht vor zahlreichen, weitaus epischer ausfallenden, Geschichten verstecken muss.


      Dramaturgie/Erzählung7/10
      Zeichnungen7/10
      Kreativität7/10
      Gesamtwertung7 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.54: Der Würfel ist gefallen ("Das letzte Kommando")

      Es herrschen düstere Zeiten für die Neue Republik: Nachdem man einst unter großen Anstrengungen den Sieg über das Galaktische Imperium errungen hatte, hat sich ein neuer Schatten über die Galaxis gelegt. Großadmiral Thrawn ist es nicht nur gelungen, einen Großteil einer vor langer Zeit verloren geglaubten Flotte von Dreadnoughts in die Hand zu bekommen, sondern auch, eine eine alte Klonanlage des Imperators höchstselbst wieder in Betrieb zu nehmen. Nun verfügt der geniale Stratege nicht nur über eine ansehnliche Flotte, die den ehemaligen Rebellen schwer zusetzt, sondern auch noch über die nötige Technik, effektive Soldaten und Besatzungen am Fließband zu erschaffen. Gleichzeitig versucht Thrawns Verbündeter, der einstige Jedi-Meister C´baoth, eine neue Generation von machtaffinen Kämpfern aufzuziehen, deren erste Rekruten Leia Organa Solo und ihre beiden Zwillingskinder sein sollen. Doch beide Partner geraten zunehmen in Zwietracht darüber, welches der gemeinsamen Ziele das wichtigste ist. Inmitten des Konflikts zwischen dem neu auflebenden Imperium und der schwächelnden Neuen Republik versucht der Schmuggler Talon Karrde, die sich ergebenden Möglichkeiten geschäftlich auszunutzen. Als Thrawn in ihm einen zunehmend einflussreichen Unsicherheitsfaktor sieht, muss Karrdes Integrität untergraben werden, um ihn an einer pro-republikanischen Intervention zu hindern. Luke macht sich unterdessen auf die Suche nach der zunehmend verhängnisvollen Klonanlage - mit der ehemaligen Vertrauten des Imperators, Mara Jade, höchstpersönlich an der Seite, die noch immer den letzten Befehl ihres einstigen Meisters im Gedächtnis trägt: Töte Luke Skywalker!

      "Das letzte Kommando" lässt die Erzählstränge der Bände "Die Erben des Imperiums" und "Die dunkle Seite der Macht" endlich in ein weitestgehend würdiges Finale münden, das deutlich macht, weshalb Timothy Zahns Trilogie in Fankreisen dermaßen beliebt ist. Thrawn entpuppt sich erneut als fähiger Gegenspieler für Luke, Leia und Co. und stellt damit einen angenehmen Gegenentwurf zu den regelrecht dämlich agierenden Bösewichtern der aktuell laufenden Filmtrilogie dar (...man denke nur an den Obervollpfosten General Hux...). Erneut erleben wir eine Abfolge aus Täuschungsmanövern, Intrigen, Plänen und deren Überarbeitung, die aber diesmal nicht unbedingt in komplett erwartbaren Bahnen verlaufen. Leider erfolgt das Ende gefühlt etwas sehr abrupt, aber man kann wohl nicht alles haben. Künstlerisch bekommen wir die zwei Welten des kroatischen Zeichners Edvin Biukovic zu sehen, der in der zweiten Hälfte des enthaltenen Runs schließlich auch die Tuscharbeit übernahm - was die an für sich ordentlichen Zeichnungen, im Gegenzug zur etwas "blassen" ersten Hälfte, gleich noch mal vollkommen anders und hochwertiger erscheinen lässt und mal wieder beweist, wie wichtig Tusche und Farbgebung für den künstlerischen Gesamteindruck sind. Als Bonus gibt es eine halbe Cover-Galerie der enthaltenen Einzelhefte "The Last Command #4-6", warum die der ersten drei Hefte fehlen, bleibt mal wieder ein Rätsel. Die meist obligatorischen Bonusinformationen zu den Filmen glänzen mal wieder durch Abwesenheit.

      Inhaltlich bietet "Das letzte Kommando" über einen Großteil des Handlungsverlaufs starke Unterhaltung, die insbesondere in der zweiten Hälfte durch eine attraktive künstlerische Note unterstützt wird.


      Dramaturgie/Erzählung9/10
      Zeichnungen8/10
      Kreativität8/10
      Gesamtwertung8.33 / 10
    • Galaktischer Sammelwahn Nr.55: Dunkles Zwischenspiel ("Legacy: Visionen der dunklen Seite")

      Neu

      Nachdem Darth Krayt in "Plage der Vergangenheit" (Band 52 der Reihe) von seiner rechten Hand Darth Wyyrlock ermordet wurde, hält Letzterer den Tod seiner Vorgesetzten streng geheim, um die Macht über das Sith-Imperium halten zu können und nicht selbst Opfer des nächsten Emporkömmlings zu werden. Dennoch hält die Kontrolle der Dunklen Seite über zahlreiche Systeme an, darunter befindet sich auch Dac, die Heimatwelt der Mon Calamari. Diese hatten vor kurzem eine nicht unerhebliche Rolle bei der Zerstörung imperialer Schiffswerften im Orbit gespielt und werden seitdem systematisch vernichtet. Tief in den Meeren haben sie ihre letzten Rückzugsorte gefunden, die von den Sith jedoch mit Hilfe einer furchterregenden, gezüchteten Waffe ausheben wollen. Unterdessen hofft Cade Skywalker, seine im Kampf gegen Darth Krayt schwer verletzte Freundin Azlyn Rae trotz ihrer schweren Beeinträchtigungen noch heilen zu können. Dazu begibt er sich nach Kiffex zu seinem Onkel "Bantha" und dessen Frau Droo, die eine fähige Heilerin ist, jedoch in Azlyn den Wunsch verspürt, eins mit der Macht zu werden und dieses Leben hinter sich zu lassen. Da sich Cade aber nicht mit dem Tod seiner Geliebten abgeben wird, trifft Bantha, ein gewiefter Mechaniker, eine schwere Entscheidung. Zu guter Letzt erleben wir, wie die neue Allianzflotte unter Gar Stazis Kommando einen Angriff auf den schwer bewachten Planeten Ralltiir fliegt und mit ihrem neuen Verbündeten, den imperialen Abtrünnigen unter Imperator Fel, in Bezug auf die strategische Vorgehensweise in Konflikte gerät. Wird das frische, noch brüchige Bündnis noch vor der ersten Bewährungsprobe scheitern?

      "Legacy:Visionen der Dunklen Seite" zeigt uns die Entwicklungen nach dem Tod des eigentlichen Sith-Imperators auf drei verschiedenen Ebenen. Während die Sith an der Erhaltung ihres Führungsstatus interessiert sind, lauern die Reste der Allianz und die imperialen Abtrünnigen auf ihre Gelegenheit, den alten Status in der Galaxis wiederherzustellen. Cade begibt sich auf einen immer finstereren Pfad und zeigt eindrucksvoll, wie wenig Jedi er, trotz aller Erlebnisse, ist und wie sehr er sich charakterlich seinem Urahn Anakin Skywalker annähert. Die Gesamthandlung macht dabei keinen großen Schritt nach vorn, aber man kann erahnen, dass die politischen Zustände im Wandel sind. Die kleineren Episoden sind flott erzählt, äußerst kurzweilig und man kann ihnen höchstens zum Vorwurf machen, dass man halt gefühlt auf der Stelle tritt. Jan Duursemas Zeichnungen verleihen der Handlung wieder die entscheidende künstlerische Würde, ohne die "Legacy" sicher nur halb so eindrucksvoll wäre. Der Bonus beschränkt sich auf eine unvollständige Cover-Galerie (bei dem vergleichsweise dünnen Band hätten es ruhig zwei Seiten mehr davon sein dürfen...), die, inzwischen nicht mehr so obligatorisch wie angenommenen, Extra-Infos zur Filmreihe glänzen mal wieder mit Abwesenheit.

      Ein inhaltlich eher solider, künstlerisch hingegen erneut ausgezeichneter Band, der das Tempo des "Legacy"-Handlungsbogen erst einmal deutlich abbremst und sich Zeit für die Darstellung der umwälzenden Konsequenzen des Todes Krayts nimmt.


      Dramaturgie/Erzählung7/10
      Zeichnungen9/10
      Kreativität6/10
      Gesamtwertung7.33 / 10