Hail to the Chief - Der Grant Morrison Reading Thread ||

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    • Mit der Mini übernimmt Morrison wie schon bei Animal Man und Doom Patrol die Aufgabe den Charakter zu modernisieren und neu auszurichten. Kid Eternity hatte seinen ersten Auftritt in Hit Comics # 25 (Quality, 1942).
      Die Origin von Kid wird dabei im Kern nicht verändert, Morrison baut aber ein weiteres Detail ein. Der Junge wurde von seinem „Großvater“ missbraucht und anschließend von den Lords of Chaos getäuscht um Dienste in ihrem Sinne zu leisten.
      Mr. Keeper war nicht was er vorgab zu sein und die wiedererweckten Toten waren in Wirklichkeit Dämonen im Dienste der Lords of Chaos. Interessant und fügt sich gut ein.



      Man wollte wohl den Erfolg von Arkham Asylum wiederholen und auf ein ähnliches Publikum abzielen. Leider funktioniert das ganze nicht so wirklich. Die Geschichte ist mit ihren verschiedenen Charakteren, Zeiten und Nebenplots ziemlich überladen, die Zeichnungen von Fegredo tun ihr übriges. Gerade in den Höllenabschnitten sind sie toll anzusehen und sehr expressionistisch, aber manchmal ist es auch sehr schwer zu identifizieren was gerade passiert.

      Morrison macht es einem nicht leicht der Handlung zu folgen, er versucht sich technisch am Bewusstseinsstrom wie z.B. bei Ulysses (James Joyce). Die Übergänge kommen zu abrupt und zum Ende verliert er sich ins Philosophisch/ Esoterische. Er haut einem Begriffe um die Ohren von denen zumindest ich noch nie hörte (z.B. die Qlīpōten, oder was sind ring-pass-nots?), keine Ahnung ob er hier besonders cool wirken will, aber weniger wäre hier IMO mehr gewesen.

      Auch nicht ganz verständlich, Kid rief den Ripper vor 30 Jahren (?) und der geistert seit dem ohne etwas zu tun und wird jetzt aktiv (möglich das Morrison sich hier auf eine Uralt-Story bezieht, konnte dazu nichts finden)?
      Der Subplot um Val Hoffman wirkt auch deplatziert und bringt der Story nicht viel. Der Plot verläuft ins Leere und verwirrt nur zusätzlich ?(

      Das Grundthema ist wieder mal Entwicklung und Transformation (ZENITH Phase II). Dem praktizierenden Chaosmagier Morrison gefällt das natürlich :D

      Wie schon bei Arkham Asylum kann man den Inhalt (fast) auf eine Tarotkarte herunterbrechen:


      Arkane X – Das Rad des Schicksals


      Bedeutung:
      Das Rad des Schicksals portraitiert drei (affenähnliche) Figuren, auf einem großen sich drehenden Rad. Die obere Figur steht für die regierende Gegenwart, die Zukunft klettert rechts nach oben, und die Vergangenheit verschwindet traurig und mit gesenktem Kopf nach links unten. Das Rad ist die Bewegung, der Lauf der Dinge und auch der gefühlten Zeit. Es dreht sich, ohne dass wir es in irgendeiner Weise beeinflussen können. Was heute oben ist, ist morgen unten. Nichts bleibt konstant. Das Rad hat auch karmische Bedeutung, alles kommt wieder und muss wieder durchlebt werden.

      Wie meinte schon David in Zenith: “Ring out the old. Ring in the new“

      Das Rad wird als Metapher verwendet und wird als Thema ständig wiederholt:
      Der Prediger spielt Roulette, der Schlitzer zeichnet einen Kreis aus Blut, Jerry und Kid sind nur Rädchen im Getriebe, Jerry durchlebt einen Kreislauf des Lebens, Kreise der Hölle usw…

      Die Lords auf Chaos wollen eine neue Weltordnung und die Menschheit weiterentwickeln, damit das gelingt muss sich auch das Bewusstsein erweitern (Ähnliches findet sich auch bei den Invisibles wieder und in seinem Buch Supergods). Netter Kniff: durch die Chaossphären wird auch die Existenz von Metawesen und Superhelden in der Welt erklärt.

      Es ist auch nicht ganz klar wer nun gut oder böse ist. Die Grenzen verschwimmen wieder einmal sehr. Alles eine Frage der Perspektive: Was für den einen die Hölle, ist für den anderen der Himmel.
      Oder wie es ein Chaoslord auf den Punkt bringt. „The first fall was from non-duality into duality. Up and down. This and that. The subjective and the objective. Good and evil. La-Dee-Bloody-Da.”

      Der Teil mit dem „Lebenspool“ erläutert Morrison in AMAZING HEROES 176 (Feb/1990) so:
      „I’ve got this worry about souls. I always wonder about reincarnation. Because it occurs to me that if you trace it back, where do souls come from?
      Either you accept that if it was Adam and Eve, then there were only two to start with. Or with evolution, if you trace it back, you encounter protozoa, which shouldn’t have souls at all.
      So if you believe in reincarnation… well, there wouldn’t seem to be enough souls to go around. These things keep me awake at night.
      What I’m more inclined to believe is this thing in Chaos Magic… well, not actually BELIEVE, because I don’t think I beleive in anything, but one of their ideas is that the earth is surrounded by a „life pool“, and that when people die their souls are simply absorbed into it. Complete ego-death. This life force is also reasonsable to me.„


      Vor dem Abstieg in die Hölle wird nicht umsonst Dante’s Göttliche Komödie aus dem Regal gekramt. Die Reise in die Unterwelt folgt den klassischen Motiven und Morrison bemerkt das auch in einem Seitenhieb.

      Bleibt eine überfrachtete Mini die den Nörglern ausnahmsweise mehr als recht gibt :whistling:


      Kid Morrison