Fortsetzung Kunst/Kommerz-Diskussion aus anderem Thread

    • Fortsetzung Kunst/Kommerz-Diskussion aus anderem Thread

      Dies ist eine Antwort auf folgenden Post:

      Die Marvel-Superhelden-Sammlung

      L.N. Muhr schrieb:


      [...]Was die Frage aufwirft, ob ein Comic nur dann als Kunst gilt, wenn er erfolglos ist?[...]


      Nein. Natülich kann ein kommerziell erfolgreicher Comic auch künstlereich wertvoll sein.


      L.N. Muhr schrieb:


      [...]Selbstverständlich ist Kunst nur ein Mittel, um Geld zu verdienen.[...]


      Auch nein :-). Natürlich gibt es Künstler und auch Herausgeber, die Comics herausbringen ohne (viel) daran zu verdienen.

      Letztendlich ging es mir ja darum, dass ich die Aussage "früher ging es um gute Comics, heute nur noch um guten Umsatz" für falsch halte. Vor allem in den Zeiten als Comics allgemein als Schund galten, ist es illusorisch zu denken, dass die meisten (großen) Herausgeber nicht vor allem hohen Umsatz im Kopf hatten, als sie Comics veröffentlichten. Das dabei trotzdem schöne Comics herauskommen können, habe ich nie angezweifelt. Ich habe auch kein Problem damit, wenn Menschen mit Comics Geld verdienen.
    • loliman schrieb:

      Ich glaube man muss hier auch immer im Hinterkopf haben, dass das klassische mit dem aktuellen Material einfach nicht vergleichbar ist.
      Ich für meinen Teil finde, dass die klassischen Ausgaben den Fokus mehr auf die Geschichte hinter den Bildern legen. Damalige politische und gesellschaftliche Probleme werden thematisiert. Aktuelle Bände hingegen rücken ganz klar die Zeichnungen in der Vordergrund. Dabei ist Bildgewalt an der Tagesordnung, wirklicher "Inhalt" ist zweitrangig. Ich lese auch lieber aktuelle Sachen mit "moderatem" Inhalt, da kann man sich schön berieseln lassen, regelmäßig aber auch Klassiker, weil da einfach mehr Tiefgang drin ist.
      Ist ein bisschen wie mit "normaler" klassischer Literatur. Ein Tolstoi hat beim Schreiben seiner Werke sicherlich einen anderen Fokus gehabt als eine Rowling und das merkt man auch.
      Anna Karenina wird 90% der Harry Potter Leser nicht so gut gefallen wie Der Stein der Weisen und umgekehrt. Aber ist eines der beiden deswegen schlecht? Ganz im Gegenteil. Ich denke sogar, dass beides in eine Sammlung "Wichtige Literaturwerke von damals bis heute" gehören würde.

      Das ist ja mal ein extrem weit hergeholter Äpfel mit Birnen Vergleich.

      Das wäre ungefähr so, als würdest du den Kommentar in den Raum werfen "Filme waren früher besser!" und daraufhin Citizen Kane mit Fast & Furious als Vergleich heranziehen. Dass es zwischen diesen zwei extremen aber unglaublich viel andere Facetten gibt, wird hier komplett unter dem Teppich gekehrt.
      Stichwort Politik bei Marvel solle man übrigens unbedingt Black Panther lesen, politischer geht in einem Mainstream Superhelden Comic wohl kaum.

      Es gab früher genauso politische Comics/Filme/Bücher wie heute, Muhr hat das ja im Marvel Thread schon sehr schön gesagt: die mistigen Sachen werden halt im Laufe der Zeit vergessen, heute bekommt man aber eben alles mit und die Breite kommt einem eben...breiter vor.
    • Dass Comics früher besser waren habe ich nie behauptet, im Gegenteil, ich habe sogar im ersten Satz explizit gesagt, dass dies NICHT so ist. Es ging mir nur darum, dass Comics (und nicht nur Comics!) früher inhaltlich tiefgehender waren. Und ich glaube da kannst du auch nicht widersprechen. Tolstoi und der Stein der Weisen sind, wie ich gesagt habe, beides gute Bücher. Dass Harry Potter inhaltlich so "anspruchsvoll" ist wie Tolstoi bestreite ich trotzdem. Da gleiche sehe ich übrigens tatsächlich auch bei Filmen. Ich liebe Comicverfilmungen. Trotzdem gibt es heutzutage kaum (!) Mainstream (!) Filme, die an inhaltlich an Klassiker herankommen.

      Zum Panther: Ja, habe ich gelesen und du hast Recht, es geht um Politik. Ich kann jetzt allerdings keine Parallelen zu aktuellen politischen Geschehnissen ziehen, für mich ist die Geschichte rein fiktiv. Und darum ging es mir, früher wurde eben auf tatsächlich stattfindende Probleme eingegangen.
    • Ich denke, das Problem (ggf. nicht nur bei Comic-Verlagen) ist der Drang zur "Gewinnmaximierung".

      Wo vor nicht all zu langer Zeit gesagt wurde, wir gehen mit einem PLUS aus dem Geschäft raus, wird heute errechnet, was man maximal erwirtschaften könnte.
      Wird das nicht erreicht, zählt es als Verlust...

      Sicher etwas überspitzt ausgedrückt... zugegeben.

      So sehen ich das (leider) auch bei Panini.
      Es werden wahnsinnig viele Titel auf den Markt gebracht. Das ist schön.
      Aber nicht, weil sie gut sind, sondern wohl eher, weil sie eine Zielgruppe abdecken und eben dort das Budget der selbigen abgreifen/ausschöpfen.

      Es wird hochgerechnet, wieviel (z.B.) ein Comic kosten darf, bevor er nicht mehr gekauft wird.
      Nicht, was der Verlag daran verdienen muss zuzüglich einem recht konfortablen Polster.

      MAXIMIERUNG ist das Problem! (Meiner Meinung nach...)

      So long...
      RETTET DAREDEVIL !!



      Wenn Ihr DD veröffentlicht haben wollt, dann tragt ab jetzt auf den Messen "I'm not Daredevil"-Shirts!
    • Martin Gale schrieb:

      Letztendlich ging es mir ja darum, dass ich die Aussage "früher ging es um gute Comics, heute nur noch um guten Umsatz" für falsch halte.
      Ist es auch, ist natürlich auch genreabhängig, im DC- und Marvelbereich ist es sicher so, dass hier extrem auf den Umsatz geschaut wird, keine oder zu wenig Verkäufe -> Ende der Serie und Start von was Neuem.

      In anderen Bereichen gibt es inhaltlich sehr gute Comics, wo ich mir nicht vorstellen kann, dass der Verlag damit steinreich wird oder auch nur annähernd ähnliche Stückzahlen verkauft, mein liebstes Beispiel hier (weil ich die Serie wirklich gut finde) ist "Unter dem Hakenkreuz" von Schreiber und Leser. Aber es gibt viele wirklich gute Sachen am Markt, deutlich mehr als "früher" (ich bin Baujahr 1963, da gabs in meiner Jugend nicht so viel wie heute). Ist fast nicht zu vergleichen, wir hatten noch nie mehr Comics am Markt wie heute....nicht nur gute, natürlich :)
    • loliman schrieb:

      Trotzdem gibt es heutzutage kaum (!) Mainstream (!) Filme, die an inhaltlich an Klassiker herankommen.

      Nur mal so am Rande der "Überklassiker" Citizen Kane war damals eben kein Mainstreamerfolg sondern ein Flop an den Kinokassen.

      "Wenn die Gewinne als Dividenden verteilt werden und die Verluste vom Steuerzahler getragen werden, das nennt man freie Marktwirtschaft"
      Volker Pispers



      Mein Verkaufsthread
      Mein Suchthread