Laber-Rhabarber-Thread zu diversen Themen

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  • Unbreakable Cosmo schrieb:

    fightsurfer schrieb:

    Vor mir liegt gerade ein jungfräuliches Comicalbum das mit großer Wahrscheinlichkeit niemand im ganzen PF-Forum jemals gelesen hat.
    Ist das Anmaßung, Naivität oder Überschätzung?
    Vielleicht hat er es selbst gemacht. Wir haben auch in unserer Jugend viel mit Pappdeckeln angestellt.

    PS: Also ich habe es nicht, obwohl es nur 4,90 € kostet und eigentlich ganz interessant klingt.
  • fightsurfer schrieb:

    ;) ... wahrscheinlich ... von allen 3 etwas dabei


    Was Cosmo, du wirst doch nicht sagen, dass Du den je gelesen hast?
    Nein, ich weiß aber mit welch einer Bandbreite sich manche hier beschäftigen und es klang ein wenig eigebildet. :P
    Schreib doch nach der Inhaltsangabe noch, was dir positiv oder negativ auffiel.
  • fightsurfer schrieb:

    (Das Wort zum Freitag)

    Zur Zeit liest man beinahe überall vom Weltuntergang. Kann es sein, dass diese Sucht nach dem Untergang eigentlich nur mit dem Fehlen einer positiven Zukunftsvision oder schlichtweg Faulheit zu tun hat? :kratz:

    Ich meine, wenn ich in einer total dreckigen Wohnung mit total versifften Möbeln lebe, was mache ich da? Sitze ich da tatenlos faul rum und hoffe darauf, bis endlich der nächste Kurzschluss in der veralteten Elektrik das ganze Haus abbrennen lässt, oder ... beginne ich damit einen Plan zu entwickeln um einfach die Wohnung schön zu renovieren.

    Apokalypse war gestern. Keine Ausreden mehr. Beweg Deinen Arsch!
    ;)
    Ein sehr großer und spannender Themenkreis.

    Das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit kommt früher oder später und da stellen sich dann auch durchaus Fragen der Hinterlassenschaft, wie hinterlässt man die Welt, welche Verlassenschaften von einem selbst werden den "Test of TIme" überdauern. Und wenn man dann nichts vorzuweisen hat, dann ist es oft besser, seine eigene Endlichkeit auf die der Gesellschaft zu projizieren.

    Aber genau hier bin ich der Meinung, dass das Ganze mehrere Dimensionen annimmt, denn hier, erkennt man einen Bezug mit Vampir und Wiedergängererzählungen festmachen (mit der verqueren Vorstellung des Reinkarnationssystems der östlichen Religionen/Weltanschauungen natürlich auch), wenn man die Eitelkeit des "Ichs" im Vordergrund stellt.

    Das spannende ist, dass bei beiden Genres das Verhalten, von sich selbst oder seine unmittelbaren Umgebung, in Bezug auf das große Ganze gesetzt wurden. Frühe Vampirgeschichten aus Osteuropa dienten dazu, die Familie von Menschen, die allein gestorben sind, zu bestrafen, indem man dieser Familie zusätzliche Begräbnisriten auferlegt hat, um genau jenen Umstand zu verhindern. Die Offenbarung sollte zeigen, dass im Bezug auf das römische Reich Christ sein dennoch Sinn macht, auch wenn man verfolgt und verdammt werden würde. Am Ende aller Tage käme dann schon die Belohnung.

    Spannend ist hier dann die moderne Interpretation dieser Genres, denn moderne Vampirgeschichten (dazu kann ich wärmstens die Vampire Lectures empfehlen) haben einen anderen Ansatz und zwar den, dass die eigene Endlichkeit negiert wird. Man vergeht irgendwie und kommt dann wieder. Irgendeine Metamorphose eines selbst, aber die Gesellschaft bleibt. Das brauchen dann auch keine Vampire mehr sein, Dorian Gray oder die verlorenen Jungen aus Peter Pan versuchen das genauso. Wichtig ist hier halt das ewige Leben innerhalb einer speziellen Gesellschaft. Ob es jetzt die Moderne, das viktorianische England oder Neverland ist, ist schon wieder egal. Hedonistisch und Farbenfroh sollte es halt sein, am besten ohne physische Leiden.

    Bei modernen Eschatologien hingegen bleibt man, aber die Gesellschaft vergeht. Und da gibt es auch so einen Negation, wurscht ob Zombies, Left Behind oder Aliens, die Menschheit von "davor" gibt es nicht mehr und man selbst gehört zu den letzten, die zuschauen, wie der Todeskampf unwiderruflich verloren geht. Man ist sozusagen ein Chronist der letzten Tage und weil alle vergehen, braucht man sich kaum Gedanken über die individuelle Endlichkeit machen, denn sie ist im Bezug auf das Ende der Gesellschaft nur eine Randnotiz.

    Das Thema war übrigens ein Teil einer Seminararbeit über die deleuze'sche Interpretation des Conatus bei Spinoza und die Bewusstwerdung seiner eigenen Endlichkeit, aber nicht um dann den Tod zu "umarmen", wie es viele machen, sondern um das Leben gehaltvoll zu leben, wie so ein bisschen die Programmatik der letzten Werke von Deleuze und Foucault ist.
  • Die Welt hat selbst im Normalzustand immer etwas Apokalyptisches an sich, weil Sie permanent einem Wandel und einer Umformung unterworfen ist.
    Als damals z.B. das Weströmische Reich in den Vandalenstürmen untergegangen ist und das Reich unregierbar wurden, da stellten sich die Menschen die Frage nach den "individuellen Hinterlassenschaften" wohl gar nicht, da ging es zunächst darum, wie geht es überhaupt weiter. In einer solchen Phase sucht man nach Orientierung und nach Persönlichkeiten, an denen man sich halten kann, die eine Richtung vorgeben, die ein Mindestmaß an Ordnung und Struktur vorgeben.

    Für die Benediktiner Mönche vom 5. Jhd. bis zum 20. Jhd. stellt sich die Frage der "individuellen Hinterlassenschaften" auch nicht. Es gibt wohl größtenteils nur kollektive Hinterlassenschaften wie Klöster, Bibliotheken, Kirchen, Kulturgüter, Wissenschaftliche Arbeiten und Werke und wohl sehr wenige leibliche Nachkommen ;) . Gerade das Beispiel der Abtei Montecassino, ist bemerkenswert. Die Abtei wurde 4-5 mal in Kriegen komplett zerstört, da Sie auf einem strategisch wichtigen Berg liegt, und immer wieder neu aufgebaut, zuletzt übrigens nach dem 2. Weltkrieg.

    Das Wirken Benedikts zeigt sich hier gegen die Apokalypse quasi resistent. Weil das Kloster nach jedem Untergang von neuem entsteht und wieder aufgebaut wird.
    Im Prinzip kann ich sagen, dass Benedikt von Nursia wohl einer der wenigen Menschen ist, der schon zu Lebzeiten die Idee der Apokalypse besiegt oder zumindest überwunden hat.



  • Natürlich stellt sich die Frage der individuellen Hinterlassenschaft permanent. Die Zeugung eines Kindes ist der einfachste Weg etwas in der Welt zu hinterlassen. Wie man mit diesem Kind umgeht, war eine Frage, die den einzelnen in der Spätantike genauso beschäftigt hat, wie jetzt. Gerade dein Beispiel mit den Klostern zeigt das gut, denn warum hat man Kinder in diese Ruhepole gebracht, in denen ein Überleben und ein Aufwachsen gesichert war (also gesicherter als am Hof, als fünftes Kind, von denen drei nichteinmal das achte Lebensjahr erreichen). Ohne diese Fragen wäre der Zulauf, den Klöster, wurscht obs Benediktiner oder später andere Orden waren, hatten nicht so enorm gewesen. Neben den Enthusiasten gab es halt auch ganz viele, die aus ökonomischen Gründen in einen Orden eingetreten sind.

    Ich sehe auch nicht das apokalyptische in einem Wandel, denn der ist fließend und lebendig, wohingegen die Apokalypse einen Endpunkt in der Endlichkeit setzt.

    Die Spätantike ist ja deshalb ein sehr gutes und spannendes Beispiel, weil man in dieser Zeit gesehen hat, dass das Ende einer Epoche fließend ist, sehr wohl Kontinutäten bestehen bleiben (und in dem Fall war es die Kirche mit all ihren Instituten) und die die guten Ideen, was das für sie halt bedeutet, bewahren. Ich denke da nur an die Aristoteles Rezeption des Mittelalters, die deshalb geblieben ist, weil Aristoteles ein wichtiger Unterbau für die Lektüre von Augustinus ist, während Platon nur sehr leise rezipiert wurde.
  • Ich stimme weitestgehend zu, aber auf eines muss man schon noch hinweisen:

    Die Ehelosigkeit und Kinderlosigkeit der Mönche versteht sich aber aus der Nachfolge nach Jesus Christus, der dies so vorgelebt hat. Das wird im Christentum gar nicht als Defizit definiert, nein eher das Gegenteil ist der Fall. ;)
    Selbst die tibetischen Mönche oder der Dalai Lama leben Ihre Spiritualität unter Verzicht auf Ehe und Kinder. ;)

    Tatsächlich hat dieser Verzicht spirituell erstmal den Sinn, die „Eitelkeit des Ichs“ zu überwinden, die Du oben so schön beschrieben hast.

    Das eigentliche Ziel besteht dann nur noch in der eigenen Hinwendung zu Gott. Alles weitere persönliche ist dann zweitrangig. :kratz:

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von fightsurfer ()

  • @LeoLurch "Wenn man mit rassistischen Gedanken aufgewachsen ist weiß man es vielleicht nicht besser und macht Dinge die andere verletzen und als rassistisch angesehen werden. Das ist dann kein bewusster Vorgang, trotzdem ist es Rassismus."

    Natürlich ist es eine bewusste Ausgrenzung. Du verwechselst "unbewusst" mit "kein Unrechtsbewusstsein".

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    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Damian ()

  • Damian schrieb:

    @LeoLurch "Wenn man mit rassistischen Gedanken aufgewachsen ist weiß man es vielleicht nicht besser und macht Dinge die andere verletzen und als rassistisch angesehen werden. Das ist dann kein bewusster Vorgang, trotzdem ist es Rassismus."

    Natürlich ist es eine bewusste Ausgrenzung. Du verwechselst "unbewusst" mit "kein Unrechtsbewusstsein".
    Sehe ich anders, ist bei Diskriminierung etwa gleich.
    Magickarten gesucht, schreibt mir wenn ihr was loswerden wollt.